Martin Bangemann erhält in Bonn schlechte Noten

Von Wolfgang Hoffmann

Es ist noch nicht lange her, da prägte Otto Graf Lambsdorff, der frühere Bundeswirtschaftsminister, scheinbar beiläufig, aber selbstverständlich gezielt und kalkuliert, den Satz: „Ordnungspolitisches Denken lernt man nicht mehr mit fünfzig.“

Der Name Martin Bangemann fiel bei dieser Gelegenheit nicht. Das war auch nicht nötig. Die Feier zu Bangemanns fünfzigstem Geburtstag lag erst wenige Wochen zurück. Überdies ist es kein Geheimnis, daß der Vorgänger mit seinem Nachfolger unzufrieden ist. Martin Bangemann nimmt die marktwirtschaftlichen Regeln nämlich nicht so ernst und genau wie Lambsdorff. Der allerdings war auch ein Sonderfall.

Die in Bonn stets wuchernde Häme macht den Unterschied zwischen beiden stichelnd deutlich: Lambsdorff ist der Ludwig Erhard der 80er Jahre, Bangemann der Heinz Erhardt der 80er. Daran ist richtig, daß Bangemann in der Tat gern wie einst Heinz Erhardt kalauert.

Beispiel: Nach einem Ägyptenflug mit der Lufthansa kam der Kapitän zu ihm und fragte ihn: „Herr Bangemann, wir sind eine Dreiviertelstunde zu früh; sehen Sie immer noch einen Grund zur Privatisierung der Lufthansa?“ Er antwortete: „Ja, wenn Sie privatisiert wären, dann wären sie pünktlich gewesen.“ Mit solchen Sprüchen hat Bangemann die Lacher auf seiner Seite.

Gefährliche Halbwahrheiten