Witzig, ironisch und auf angenehme Weise ehrlich und herzlich hat der Vorsitzende der Bundespressekonferenz, Rudolf Strauch, den neuen Regierungssprecher Friedhelm Ost zu dessen Premiere begrüßt. Ost ist der 17. Bonner Regierungssprecher.

Strauch, nachdem er die Liste der rasch wechselnden Sprecher verlesen hatte: "Doch nun haben wir im dritten Regierungsjahr Helmut Kohls nicht nur den dritten Regierungssprecher, sondern zum ersten Mal auch gleichzeitig drei. Eine neue Epoche also, oder, etwas verhaltener, ein neuer Abschnitt, ein Einschnitt, eine CSU-Einführung mit ‚C‘ wie Cäsar, ‚S‘ wie Norbert Schäfer und mit ‚Su‘ wie Jürgen Sudhoff; eine Cäsur also ..."

Strauch zum Tempo des Sprecherwechsels unter Kohl: Für die Zeit von 1949 bis Diether Stolze habe das statistische Mittel für die Amtszeit des Staatssekretärs an der Spitze des Presseamtes zwei Jahre, vier Monate und ein paar Tage betragen. Mit Peter Boenisch verkürzte sich das "auf zwei Jahre, zwei Monate und wenige Tage, aber so betrachtet, hat sich wieder einmal kaum etwas ereignet."

Strauch zur Rolle der Bundespressekonferenz: "Die einen von uns wünschen Ihnen und allen Sprechern dieser Bundesregierung Erfolg, die anderen nicht. Das war immer so und ist auch nach unserem Selbstverständnis erlaubt."

Einen kleinen Vorgeschmack von dem, was ihn in Bonn erwartet, bekam Friedhelm Ost bei seiner Premiere vor der Bundespressekonferenz. Wer immer ihm die Formulierung auch aufgeschrieben haben mag, der neue Sprecher verkündete jedenfalls, die amerikanische Forschung zur Raketenabwehr im Weltraum (SDI) sei aus Sicht der Bundesregierung gerechtfertigt und "deshalb unterstützen wir sie politisch". Das brachte immerhin eine neue, nicht unerhebliche Nuance in die ohnehin ständig wechselnde Bonner Position.

Ost löste damit jedenfalls – ahnungslos? – eine lange, schwierige Fragestunde im Bonner Tulpenfeld aus: Der "Neue" wurde getestet. Geht die Bundesregierung in ihrer Zustimmung zu SDI weiter als bisher und was heißt, bitte, "politische Unterstützung"? Unterstützt die Bundesregierung politisch, daß die amerikanische Regierung an amerikanische Firmen Forschungsaufträge verteilt? Oder was sonst? Hat sie eine neue Position dazu, wie sich SDI mit der Strategie der Nato für Europa verträgt?

Jedenfalls: Ost hatte viele spitze Fragen provoziert, zu antworten hatte er verflixt wenig. Aber das ist ja auch schwer. Zuerst relativierte der Sprecher des Auswärtigen Amtes Osts Bemerkung. Dann brach der Vorsitzende Strauch das Fragespiel fürsorglich mit dem Hinweis ab, es sei der "erste Tag". Und schließlich mahnte Ost nach der Premiere Journalisten im kleinen Kreis, man solle in seine Worte doch "nichts hineingeheimnissen".