Wilfried Erdmann

Neun Monate einsam auf See – ein Phantast, der seine Phantasien verwirklicht hat

Ganz Goltoft war auf den Beinen. Die Kinder ließen Luftballons steigen. Kleine Zettel hingen daran. Sie sollten die Nachricht von der glücklichen Heimkehr des Weltumseglers Wilfried Erdmann in alle Lande tragen. Ein heftiger Nordwest trieb die Ballons aus dem kleinen Dorf hinaus, über die Schlei hinweg, einem dunklen Himmel entgegen, wo graue Wolken tobten.

Der Bürgermeister nahm das Mikrophon und gab dem lieben Wilfried einen Willkommensgruß. "Auf deinem Boot stand der Name Goltoft. Du hast den Namen um die ganze Erde getragen. Dafür danken wir dir. Wir sind stolz darauf, daß Deutschlands berühmtester Segler aus Goltoft kommt."

Anfang September 1984 brach Wilfried Erdman von Goltoft auf und kletterte in Kiel an Bord der "Kathena Nui". Am 8. September stach er in See. Ziel: Goltoft. Dazwischen lag die Erde, die eine Kugel ist. Was zu beweisen war. Dazwischen lagen 30 180 Seemeilen, also 55 000 Kilometer. Dazwischen lagen 271 Tage Wasser, Wind und Einsamkeit. Kälte, Nässe und keine Seele, geschweige denn ein Mensch. Ein Mensch ist kein Fisch. Aber welcher Fisch hätte je solch eine Reise gemacht? Vieles Gewaltige lebt, sagt Sophokles, und doch ist nichts gewaltiger als der Mensch.

Gewaltig sieht er nicht aus. Wilfried Erdmann ist ein kleiner Mann, fast zierlich, aber mit langen Armen und einem großen Kopf, den ein Wald von Haaren und Barten umrahmt. Daß er zäh ist, versteht sich von selbst. Sieben Kilo hat er abgenommen. Gegessen hat er Kartoffeln, Speck, Dosengemüse, Zwiebeln, Knoblauch, Porridge, Trockenobst, Sauerkraut. Getrunken hat er Tee und Schnaps.