Bilder aus der vorigen Woche, die sich tief ins Gedächtnis eingraben: Zwei kleine Kinder in Frankfurt, zu blutigen Klumpen zerrissen von einer heimtückisch unauffällig plazierten Bombe. Nächster Tatort, nur wenig später: Ein britischer Soldat fischt eine „Kohlkopf“-Puppe aus der Irischen See; das Kind, das vielleicht kurz vor seinem Tode im Flugzeug damit gespielt hat, liegt irgendwo tief unten auf dem Grunde des Atlantiks.

Bilder, die sich behaupten gegen den Anflug von Ohnmacht, Gewöhnung und Zynismus. Nichts an den Ereignissen der letzten Wochen ist ja neu. Entführte Flugzeuge, die Passagiere als Geiseln, Mord an Bord – Palästinenser haben 1968 damit angefangen; die Schiiten von Beirut imitieren sie auf eher konventionelle Art, weil sie zumindest einen erkennbaren politischen Zweck verfolgen. Für die Sikhs, die allem Anschein nach die Bombe an Bord der zwei Air-India-Maschinen versteckten, wogen die Leben von vielen hundert Unschuldigen das Leben ihres Todfeindes auf. Sie hatten ursprünglich Rajiv Gandhi ermorden wollen; statt des einen mordeten sie die vielen.

Als Folge der Bomben- und Attentatswelle gewinnt maximales Sicherheitsdenken an Berechtigung und Dringlichkeit. So könnte es kommen: Durch Flughafengebäude flanieren Hunde an der Leine der Soldaten vom Bundesgrenzschutz, Maschinenpistolen gehören zum Üblichen, ebenso wie Mehrfachkontrollen per Hand, per Detektor und Röntgenstrahlen von Mensch und Gepäck, Videokameras und vielleicht auch hoch – nach dem Vorbild Israels, Amerikas und der Schweiz, – die Sky Marshalls. Wer getrost fliegen will, muß sich verbarrikadieren lassen – im Flugzeug, der fliegenden Festung. G. S.