Von Gerd Renken

Huambo, Ende Juni

Der Vormittag ist nun schon fast vorüber, und noch immer sitzen die Frauen in langen Reihen hintereinander am Boden. Sie warten geduldig, bis ihre Lochkarte geknipst ist, um dann weiter hinten auf dem Platz ihr Familienkontingent an Speiseöl und Fuba in Empfang zu nehmen. Ohrenbetäubender Lärm dringt von dort herüber – hungrige Kinder schleichen sich immer wieder an die Sackstapel heran, um hastig heruntergefallene Reste in ein Tuch zu raffen. Unter Schreien und Johlen werden sie von einheimischen Helfern mit dicken Knüppeln vertrieben und verschwinden blitzschnell mit der Beute im Grün unreifer Bananenstauden.

Der Ort Quima ist eine Ansammlung ärmlicher Maisstrohhütten und verfallener Häuser einstiger portugiesischer Siedler. Dazwischen eine zerschossene Tankstelle, eine zerstörte Kirche, ein verkommenes Kleinkrankenhaus und die Kommandantur, vor der bewaffnete Soldaten patrouillieren.

Quima liegt im zentralen Hochland von Angola, 20 Flugminuten von der Provinzhauptstadt Huambo entfernt, die früher einmal den verheißungsvollen Namen Nova Lisboa trug. Ringsherum weite Felder, die wie der Ort einen heruntergekommenen Eindruck machen. Zwischen den Hügeln in der Ferne sieht man hier und da etwas Weißes aufleuchten, Reste einer schon längst verschwundenen Pracht: die Herrenhäuser der portugiesischen Kaffeefarmer.

Ein Paradies auf Erden könnte dieser überaus fruchtbare Südwesten des Schwarzen Kontinents sein – drei Ernten im Jahr, Erdöl und Diamanten in verschwenderischer Fülle, eine der fischreichsten Küsten der ganzen Welt –, wenn, ja wenn die Geschäftemacher, die Ideologen und nicht zuletzt der „böse Nachbar“ Südafrika nicht jeweils eine andere Vorstellung von der Zukunft des Landes hätten. Dies macht, auf einen kurzen Nenner gebracht, das Elend Angolas aus.

Die Menschen von Quima heißen im Jargon der humanitären Gesellschaften displaced persons, und das ist wahrlich keine euphemistische Beschreibung ihrer Existenz. Sie sind Angehörige verschiedener Bantustämme. Die meisten tragen nur Fetzen auf dem Leib, Kinder hängen kraftlos an den schlaffen Brüsten der Mütter. Sie essen, wenn die Hilfsflugzeuge vom Roten Kreuz ausbleiben, auch Ungenießbares, trinken schales Wasser und versuchen, nun schon im zehnten Jahr, den Bürgerkrieg zu überleben.