Von Isolde von Mersi

Verschwenderisches Grün überwuchert die Felshänge. Die Luft riecht herb nach Thymian und Rosmarin. Türkisblaue Wellen rollen schwer und langsam an den Strand. Es ist Frühsommer am Ligurischen Meer.

Ligurien, der schmale Bogen Land dahinter, verdankt solch pittoresken Panoramen eine ganze Menge: Seine Riviera ist eine der ältesten und renommiertesten Ferienregionen Italiens. Ein bißchen Statistik macht es deutlich: 55 Badeorte mit knapp 800 Badeanstalten säumen die 342 Kilometer lange Steilküste zwischen Ventimiglia und La Spezia. Zusammen bringen sie es auf über 2875 Hotels und Gastbetriebe, auf beinahe 100 000 Hotel- und doppelt so viele Privatbetten. 13 Prozent allein der italienischen Touristen strömen jährlich in klassische Orte wie San Remo, Portofino oder Alassio, aber auch in die vielen weniger berühmten Nachbardörfchen. Deutsche Urlauber kommen ebenfalls in Scharen – wenngleich es in den vergangenen Jahren leichte Rückgänge zu verzeichnen gab.

Der Glanz der „Perlen“ unter den italienischen Ferienregionen ist nämlich in letzter Zeit ziemlich verblaßt. Der Vorwurf, daß Strände verschmutzen, daß Chemikalien und Abwässer das Meer zersetzen und alle noch freien Flecken Land zubetoniert werden, trifft Ligurien nicht weniger als andere Strandgebiete und Inseln Italiens. Im Gegenteil: Im vergangenen Jahr beispielsweise kratzten italienische Zeitungen den ganzen Sommer hindurch recht kräftig am Image der Riviera-Häfen. „Rapallizzazione“ hieß die kritische Parole, mit der Bauskandale, übertriebene Großzügigkeit bei der Anlage neuer Yachthäfen und die Verhinderung der Einrichtung von Naturparks an den Pranger gestellt wurden. (Die ZEIT berichtete in ihrer Ausgabe Nr. 34 vom 17. August 1984.)

Diese Kampagnen sowie die Furcht vor dem Ausbleiben der Gäste haben die Verantwortlichen für den Fremdenverkehr offensichtlich auf Trab gebracht. Als erster Ferienort Liguriens hat Finale Ligure an der östlichen Riviera in diesem Jahr das Thema „Ökologie und Tourismus“ aufgegriffen und ein zweitägiges Expertengespräch organisiert.

Als Partner haben sich die Gemeindeväter des Badeortes das Goethe-Institut in Genua auserkoren, das seit dem Herbst 1984 auch ökologische Themen in seinem Repertoire führt. Der Wunsch nach deutscher Mitarbeit, meint Bernhard Wittek, der Leiter des Genueser Instituts, kommt nicht von ungefähr. Die Italiener sehen in den Deutschen ihre Vorbilder auf dem Gebiet des Umweltschutzes, auch im touristischen Bereich.

Deutsche und italienische Reise- und Ökologie-Journalisten, einen römischen Tourismusforscher und den Geschäftsführer des Starnberger Studienkreises für Tourismus versammelten das Goethe-Institut und das Fremdenverkehrsamt von Finale am Konferenztisch. Lokalpolitiker der traditionellen Parteien und die Grünen des Ortes („Gruppo werde del Finale“) kamen als Beobachter dazu.