Städte planen die "Nachbesserung" ihrer unattraktiven Großsiedlungen

Von Hermann Funke

Für 100 Millionen Mark soll das Märkische Viertel in Berlin saniert werden. Millionenbeträge wollen auch andere Städte investieren, um das "Wohnumfeld" der klotzigen Großsiedlungen zu verbessern, in denen immer mehr Wohnungen leerstehen.

Neu ist die Erkenntnis nicht, daß viele dergroßen in den siebziger Jahren fertiggestelltenWohnsiedlungen erhebliche Mängel haben. Denken wir an das Märkische Viertel in Berlin, an München-Perlach oder Steilshoop in Hamburg. Die Liste der Mängel ist lang: isolierte Lage weitab vom Stadtzentrum, kein Anschluß an die Schnellbahn, unzureichende Ausstattung mit sogenannten Wohnfolgeeinrichtungen, massive, hohe Bebauung, zu kleine Grünflächen, zu viele und zu viele gleiche Wohnungen an einem Hauseingang, unfreundliche, ruppige, kalte Baumaterialien und Architekturformen. Und da sind Fehler, die bei der ersten "Belegung" dieser Siedlungen gemacht wurden: Zu viele wirtschaftlich schwache und sozial gefährdete Familien leben neben- und übereinander.

Es hat denn auch damals viel Kritik gegeben, die den verantwortlichen Politikern, Planern und Wohnungsbaugesellschaften, aber auch den Bewohnern dieser Siedlungen ziemlich auf die Nerven ging. Wer liest schon gern immer wieder Schlechtes über eine Siedlung, die er geplant, finanziert, gebaut hat oder in der er lebt? Man drehte schließlich den Spieß um und behauptete, die andauernde Kritik, das ewige Gemecker, sei selbst eine, ja die Ursache der Unzufriedenheit. Diese Siedlungen sollten aus den Zeitungen herauskommen, in Ruhe gelassen werden, dann würde mit der Zeit, mit dem Wachsen der Bäume und mit der Gewohnheit alles besser werden. Diese Hoffnung hat sich in vielen Fällen erfüllt.

Aber nicht in allen. Die Ruhe ist plötzlich wieder vorbei. Diesmal ist es nicht die Presse, es sind die Politiker, Planer und Wohnungswirtschaftler selbst, die diese Siedlungen wieder ins Gerede bringen.