Wie sich Amerikaner immer wieder für fremde Kriege engagieren

Von Barbara Ungeheuer

New York

Die Einmischung amerikanischer Bürger in fremde Händel ist Tradition – spätestens seit man das Ureinwohnerproblem im Land gelöst hat. Schon Jahre bevor die Vereinigten Staaten 1917 in den Ersten Weltkrieg eintraten, holten freiwillige amerikanische Ambulanzfahrer verwundete Franzosen aus den Schützengräben von Verdun. Ernest Hemingway und andere Abenteurer bekämpften Franco im spanischen Bürgerkrieg, irische und jüdische Amerikaner helfen seit Jahren, den Kampf gegen Engländer und Araber zu finanzieren.

Nirgendwo jedoch setzen sich Bürger der Vereinigten Staaten privat so dauerhaft und verläßlich ein wie in den Dschungeln Mittelamerikas und auf den Sonneninseln der Karibik. Dank der Emotionen, die Präsident Reagans Begeisterung für die dortigen "Freiheitskämpfer" ausgelöst hat, erleben die südlichen Nachbarn der USA eine touristische Hochsaison besonderer Art. Hunderttausend Amerikaner sind im letzten Jahr ins nur drei Millionen Einwohner zählende Nicaragua und nach Honduras gereist. Die einen kommen mit Notizblock und Aufnahmegerät, die anderen mit Fahrtenmessern und Maschinengewehren im Rucksack, Die einen logieren bei sandinistischen Bauern, die anderen hocken in stinkenden Einmannlöchern bei den Contras.

Invasion der Touristen

Und im größten Hotel von Managua, dem Inter Continental, sind Amerikaner aus den Staaten schon ganz unter sich. "Die Chance, einen Bekannten zu treffen, ist dort größer als am Times Square", erzählt eine New Yorker Time-Korrespondentin. Bei ihrem einjährigen Aufenthalt in Nicaragua schien es ihr manchmal, als hätte die angedrohte Invasion längst stattgefunden. Sie glaubt, daß das von Reagan im April verhängte Handelsembargo erst dann die gewünschte vernichtende Wirkung hätte, wenn auch den Dollar-Touristen das Reisen dorthin untersagt würde.