Von Klaus Pokatzky

Der Mann hat es geschafft, der Mann ist wer, der Mann ist oben. Im Arbeitszimmer Palisanderholz soweit das Auge sieht – der mächtige Schreibtisch, die Schränke und Regale, die bis zur Decke reichen. Die Kleidung paßt zum edlen Interieur. Seine beachtliche Leibesfülle hat Eduard Zimmerann aufs Vorteilhafteste in teures Tuch gehüllt. Freundlich ist er, bemüht um lockeres Auftreten, lacht oft und gern.

Da ist nichts von dem stammelnden, so verbissen wirkenden Fernsehfahnder, wie er, zehnmal im Jahr, auf die Zuschauer vom Bildschirm herabblickt. Fröhlich und zufrieden wirkt er, so wie ein Autohändler, der seine Schäfchen ins trockne gebracht hat und jetzt das Leben ohne Hast und Druck genießt. Nur der Inhalt der hölzernen Regale weist auf das Metier von Eduard Zimmermann hin, des "Krimi-Papstes", wie er genannt wurde, des "Ganoven-Ede": eine alte Polizisten-Pickelhaube, polizeiliche Ehrenurkunden, die "Goldene Kamera" der Zeitschrift Hörzu, glänzende Handschellen und ein riesiges Beil – "200. Folge XY Zimmermann in Neue Revue, 22. Juni 1973" steht darauf.

Nein, da schreibt er nicht mehr, das war zwar die längste Serie, die es jemals in einer deutschen Illustrierten gegeben hat, aber das hat er ebenso aufgegeben wie die Redaktion der offiziellen Polizeizeitung von Baden-Württemberg. Jetzt macht er nur sein "Aktenzeichen: XY ... ungelöst", daneben sechsmal im Jahr die Sendung "Vorsicht Falle", in der er vor "Neppern, Schleppern, mittlerweile gern" warnt, und er ist Vorsitzender des "Weißen Rings", dessen mittlerweile 22 000 Mitglieder in 190 örtlichen Hilfsgruppen den Opfern von Verbrechen mit Rat und Tat beistehen.

Das 56jährige Schwergewicht kann es sich auch durchaus leisten, jetzt mal etwas kürzer zu treten. Seit 18 Jahren wird ausgestrahlt, Freitag dieser Woche läuft die 177. Folge. Nach fast 900 Tätern und Tatverdächtigen hat er dort gefahndet. Anfangs gab es da öfter schon mal handfeste Drohungen, heute aber "nicht übermäßig viele". Mit einem Hackebeil stand noch niemand vor seiner Tür.

In 40 Prozent aller von ihm präsentierten 1400 Fälle hat seine Sendung wesentlich zur Klärung beitragen können. Macht das stolz? Nein, "man macht seinen Job und der Job verschafft einigermaßen Befriedigung." Und wenn man weiß, daß alltäglich über 200 000 Menschen in den Fahndungsbüchern der Polizei ausgeschrieben sind, kommt einem da der Job manchmal nicht wie eine Sisyphusarbeit vor? – "Das ist nichts anderes als ein Arzt, der Zeit seines Lebens Blinddärme rausschneidet", er lacht ein eruptives, tief aus der Kehle kommendes Lachen, "wir haben vielleicht nur den Vorteil, daß unsere Arbeit nicht so eintönig ist."

Wir – das ist kein pluralis majestatis, sondern damit ist sein eigenes Unternehmen gemeint. Etwa 20 vorwiegend freie Mitarbeiter hat seine Produktionsfirma, mit der er "XY" herstellt und dann dem Zweiten Deutschen Fernsehen verkauft. Zehn festangestellte Redakteure, Schreibkräfte und Sekretärinnen arbeiten daneben in seiner "Deutschen Kriminal-Fachredaktion", die die beiden Sendungen "XY" und "Vorsicht Falle" erarbeitet. Fester Redakteur beim ZDF war er nur kurze Zeit, dem Starren, Bürokratischen am öffentlich-rechtlichen Fernsehen sagte er gern Ade: "Das Anstaltsleben ist eben auch ein Anstaltsleben."