Von Zeit zu Zeit deutet Holger Börner an, er könne sich Angenehmeres denken als Politik in Hessen unter den gegebenen Umständen. Darin mag man nicht mehr als Koketterie oder einen Anflug von Melancholie erblicken. Allerdings zeitigen solche Anwandlungen Folgen. Seit langem ist in Hessen vorzugsweise von der Psyche des Ministerpräsidenten und recht wenig von Politik die Rede.

Die SPD gibt sich damit zufrieden. Sie läßt die Fakten sprechen. In Wiesbaden regiert sie per Minderheit, zugegeben. Doch die Grünen erfüllen seit neuestem gesittet und folgsam die Rolle des Mehrheitsbeschaffers: in Sachen Haushalt, Energie- und Schulgesetz. Weil sie demnächst unbedingt in eine Koalition aufrücken wollen, tun sie vorsichtshalber so, als wäre es schon heute so weit. Die SPD, ganz gouvernemental, sieht es mit Behagen und schart sich wie kaum je zuvor um ihren Ministerpräsidenten. Verschwindend gering war der Widerspruch gegen Börners Zeit- und Planspiel mit den Grünen auf dem Sonderparteitag in Friedberg.

Wohlgemerkt, die hessische SPD in ihrer übergroßen Mehrheit delektiert sich am status quo, am Regieren mit Hilfe eines informellen Juniorpartners. Für eine regelrechte Koalition mit Arbeits- und Machtteilung tritt nur eine Minderheit aus Überzeugung ein. Die Grünen selber geben keinen Grund, so ernst genommen zu werden, wie sie es gerne hätten. Aus reiner Schwäche sind sie anpassungsfähig bis zur Selbstverleugnung.

Holger Börner mögen die hessischen Verhältnisse keinen Spaß machen. Er wird, solange es irgend geht, nichts tun, sie zu ändern. G. S.