Von Gunter Hofmann

Oskar Lafontaines Erfolg an der Saar bedeutete für die SPD ein erstes Frühlingserwachen. Seit dem 12. Mai, dem Wahlerfolg von Johannes Rau in Nordrhein-Westfalen, wissen die Genossen gar nicht mehr wohin mit soviel Hochgefühl. Das mag verwegen sein, ist aber nur allzu verständlich.

Der Erfolg Raus, ein kurzer Blick auf das Tief, in dem die Bonner Regierung steckt, der Hinweis auf die Dauerquerelen der Grünen – das alles verdichtet sich zu dem Eindruck, die SPD sei oben "auf der Zinne angekommen", wie es Peter Glotz sagt. Und sie habe, in Willy Brandts Worten, eine "echte Chance", im Jahr 1987 die Wahlen zu gewinnen.

Dennoch, es wäre nicht zum ersten Mal, daß die Sozialdemokraten einen Erfolg in Düsseldorf falsch deuten und überschätzen. Als die SPD am 11. Mai 1980 mit 48,4 Prozent die absolute Mehrheit erzielte und die FDP ganz knapp unter der Fünf-Prozent-Hürde blieb, ließ sich auch die gesamte Partei, vor allem Bonn, in Euphorie versetzen. Im Oktober 1980 folgte der Dämpfer bei den Bundestagswahlen, 1982 war die SPD bei Umfragen schon in den Keller gestürzt, unter 30 Prozent. Landtagswahlen und Bundestagswahlen sind zwei Paar Stiefel.

Jetzt oder nie, predigen Willy Brandt, Peter Glotz und Bodo Hombach gleichermaßen. Hombach hatte für Johannes Rau den nordrhein-westfälischen Wahlkampf organisiert. Der zum Wunderkind stilisierte Manager empfiehlt nun, nicht lange auf eine programmatische Erneuerung, auf ein Comeback in den Rathäusern und den Ländern und schon gar nicht auf die "Enkel" Willy Brandts zu warten. Bei den Wahlen im Jahr 1987 könne die SPD, rechnet Hombach vor, leichter gewinnen als später, etwa 1991, wenn es ökonomisch wieder aufwärts geht.

Einerseits muß der SPD-Vorsitzende so argumentieren, weil die SPD 1987 nun einmal ohne potentiellen Koalitionspartner ins Rennen geht, Wahlen aber – wie Hans Apel in Berlin erfahren hat – zwangsläufig zur großen Schlappe werden, wenn man erst gar nicht auf Sieg setzt. Andererseits müssen erst recht diejenigen so reden, die Rau promovieren wollen. Der Düsseldorfer hat in der Tat nur 1987 seine Chance.

Die Wahlen vom 12. Mai haben die Stimmung gebessert, aber sie haben herzlich wenig geklärt – abgesehen von der Frage, wer denn der SPD-Kanzlerkandidat für 1987 ist. Offiziell wird darüber erst später entschieden. Inoffiziell steht fest, daß Johannes Rau, so sehr er zögern mag, um sein "Ja" überhaupt nicht herumkommt.