Hamburg

Irmhild Kopfermann, Studentin in Hamburg, ist eine so entschiedene wie überzeugte Kernkraft-Gegnerin. Deswegen hat sie, in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre, das getan, was viele Liberale damals rieten: Sie hat geklagt, ist vor die Verwaltungsgerichte gegangen. Gewonnen hat sie kein einziges Verfahren, die meisten Kernkraftwerke arbeiten, und ihr ist neben der Niederlage die finanzielle Last geblieben.

Denn in einem Verfahren zu unterliegen, kostet. Dieses Kostenrisiko hat sie gekannt und akzeptiert; sie will zahlen und hat bereits über 8000 Mark aufgebracht; dieselbe Summe wird sie noch zahlen müssen. Nur – so schnell und zügig wie verlangt, schafft sie es nicht. Sie stottert ab und muß manchmal eben eine Ratenzahlung stoppen, um eine andere Forderung zu erfüllen.

Doch wer seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, landet ganz rasen in einer Amtsstube, um den „Offenbarungs-Eid“ abzulegen, oder – falls er das verweigert – in Beugehaft. Wer da glaubt, nur große Beträge rechtfertigten solch drastische Maßnahmen, irrt: Wegen einer Rest-Kostenschuld von 196,10 Mark plus Nebenkosten von 35,80 Mark möchte die Regierungsbezirkskasse Lüneburg die säumige Schuldnerin hinter Gitter bringen. Ihr die Kosten zu erlassen, hat das Gericht abgelehnt. Ihr die Zahlung zu erlassen, bis sie verdient, lehnt die Kasse ab: Eine „unbegrenzte Stundung“ sei nicht möglich. Seitdem hat sie ein ungutes Gefühl: Das nächste Klingeln kann den Gerichtsvollzieher und Polizei ankündigen.

Rechtens ist das alles: Irmhild Kopfermann will keine eidesstattliche Versicherung ablegen, sie will ja zahlen, so viel sie kann, und tut es auch. Sie erwartet nur, daß auch eine Regierungskasse auf ihre Nöte Rücksicht nimmt. Aber die Kasse hat ihre Vorschriften – und das Recht auf ihrer Seite. Beim Geld, so heißt es ohnehin, endet die Gemütlichkeit wie die Großzügigkeit. H. B.