Immer lauter hämmern Gewerkschaften und Berufsverbände gegen die verriegelten Türen des öffentlichen Dienstes, um sie einen Spalt weit für den Nachwuchs zu öffnen. „Einstellungskorridore“ werden allenthalben für junge Lehrer und für junge Forscher gefordert. Ein Korridor für Nachwuchswissenschaftler soll der „Fiebiger-Plan“ sein, genannt nach seinem Erfinder, dem Rektor der Universität Erlangen. Er animierte die Länder, bis zur nächsten Pensionierungswelle Mitte der neunziger Jahre eine kleine Zahl von Professuren außer der Reihe zu finanzieren. In Bayern werden jetzt die ersten zwanzig von achtzig Stellen der Preisklasse C 2 und C 3 ausgeschrieben. Chancen hat jedoch nur der talentierte Newcomer, der bereits ein Meister seines Fachs ist. Er muß nicht nur daheim, sondern international aufgefallen sein, überregionale Preise gewonnen haben, schon einmal auf einer Berufungsliste gestanden haben und zu Gast in renommierten Einrichtungen gewesen sein. Auch persönlich wird ihm einiges abgefordert: Zu seinen vorrangigen Eigenschaften müssen Risikobereitschaft, Arbeitswut und Verantwortungsfreude gehören. Auf keinen Fall aber darf er einer von denen sein, die „jedes Forschungsergebnis um jeden Preis, in jedem Blatt und in jeder Menge publizieren“.

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Studiengänge gibt’s. Die gibt’s gar nicht, dachte man, bis die ersten Diplom-Journalisten und Computer-Linguisten bei völlig verdutzten Arbeitgebern anklopften. Die linguistischen Informationswissenschaftler übrigens setzen ganz auf die Neue Technik. Solange aber der Computer den Durchbruch zur künstlichen Intelligenz noch nicht geschafft hat, warnt das Berufswahlmagazin Uni allzu hoffnungsfrohe Interessenten. Ist der Sprung dann getan, gibt es jedoch kein Halten mehr: Der Computer-Linguist bastelt das Programm und wir bekommen einen Automaten, der uns nicht nur zuhört, sondern unsere Worte auch noch übersetzt. Was zum Beispiel auch vom künftigen Diplom-Medienberater erwartet wird, den sich gerade die TU in Berlin ausgedacht hat. Er soll Gebrauchsanweisungen ins Deutsche übersetzen, die die Kollegen vom Studiengang der Ingenieure in ihrem Fachchinesisch verzapft haben.

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Die „Siebenschläfer“ unter den Studienanfängern hat die Dortmunder Vergabestelle gerade wieder an den Einsendeschluß (15. Juli) erinnern müssen. Sie wartet noch auf Post von 100 000 Antragstellern. Mit 175 000 Bewerbern für die von ihr verwalteten Studienplätze hat sie gerechnet. Ihr besonderes Augenmerk gilt den Medizin-Aspiranten, denn künftig kommen hier nur noch Frühentschlossene zum Zuge. Wer sich zum Beispiel zum Wintersemester 1986/87 oder zum Sommersemester 1987 für Medizin einschreiben will, muß sich schon diesen September in Dortmund beworben haben. Der Test, der jetzt Pflicht wird, rührt so an den Kräften der Dortmunder, daß sie ihn nur einmal im Jahr über die Bühne bringen können. Die 17jährigen sollten sich also beeilen, wenn sie sich mit 50 000 anderen Bewerbern um die 10 000 Plätze von 1987 streiten wollen. Es sei denn, ihnen ist das Glück hold und sie gehören zu den 15 Prozent, die der Professor bald persönlich in den Stand der Medizinstudenten erheben darf.

D. H.