Der Freund, entschlossen plötzlich, zieht die Augenbrauen hoch und fällt das vernichtende Urteil über die Äußerungen seines Gesprächspartners: „Das ist doch postmodernes Geschwätz.“ Schweigen. Der architekturbewanderte Bekannte bleibt, beim Spaziergang durch die Stadt, plötzlich stehen und schüttelt degoutiert den Kopf, auf eine Häuserzeile weisend: „Dieser postmoderne Ramsch!“ Am Telephon redet der Verleger davon, ob man „diesem Buchprojekt nicht einen leichten postmodernen Touch geben könnte.

Das verstehe, wer will. Wie dieses Wort sich in die Konservation einschleust, brauchbar in allen Richtungen. Wer es benutzt, ist fein heraus.

In der Kunst steht es bisweilen für alles, was nach den Neuen Wilden kam und kommt – vom Photorealismus bis zum Neonröhren-Environment. In der Literatur munkelt man von postmodernen Romanen, die Handlung und Charaktere enervierend zerstören – andere nennen dies aber schlicht nouveau roman. In der Musik? Dort reicht die Bandbreite des Begriffs von minimalmusic bis zu wieder Melodiös-Rhythmischem, also eigentlich Traditionellem.

Einzig in der Architektur ist es seh- und faßbar: Die Postmoderne hat Rundbögen ganz oben, Klinkersäulen und vorspringende Erkerlinien, zaghafte Glasvorbauten, scheut mit ihrer weißen oder backsteinernen Gemütlichkeit auch den Beton nicht, irgendwo zwischen Gotik und Mietskaserne einen Kompromiß suchend.

Nur was zum Teufel ist eine postmoderne Konversation? Eine postmoderne Beziehung? Ein postmoderner Lebensstil? Ein postmoderner Zeitgenosse gar?

Gehen wir genealogisch vor. Post-Modern, das bedingt die Überwindung des Modernen und damit dessen Definition.

„Das Projekt der Moderne“ beginnt in der Renaissance, als der Mensch ins Zentrum der bildlichen Darstellungen gerät und das Göttliche ablöst. Von da aus zieht sich eine Linie durch die moderne Geschichte: Rationalität, Aufklärung, die Naturwissenschaften, die Entdeckung der menschlichen Vernunft, die Herrschaft des Menschen über sich und die Welt. Von der Krise dieser Moderne wird heute allerorten geschrieben. Ihr negatives Bild: Umweltverwüstung, Beton, Kälte, Ausbeutung, rechteckige Wohnblöcke, Entfremdung und strukturelle Gewalt.