Der Einwanderer Robert Maxwell ist beim Aufbau seines Informationsimperiums nicht zimperlich

Von Wilfried Kratz

Robert Maxwell ist ein Mann, der es eilig hat. Der 62jährige Drucker und Verleger (Mirror-Gruppe) sieht sich auf dem Wege, "einen der zehn größten weltweit operierenden Informations- und Kommunikationskonzerne" zu formen. Die Ölindustrie zieht er zum Vergleich heran. Auch in dieser Branche hätten sich im Wege der Expansion und Konzentration Großunternehmen (die "Sieben Schwestern") gebildet. Ähnliches werde sich auf dem Gebiet der gedruckten und elektronischen Medien und der kommerziellen und wissenschaftlichen Information wiederholen. Die Amerikaner lägen gut in diesem Rennen. Aber "wir sind einer der europäischen Kandidaten" für einen Platz unter den ersten Zehn.

Das mag sehr ehrgeizig, vielleicht zu ehrgeizig klingen. Maxwells hochfliegende Pläne und Visionen stehen auch in auffälligem Kontrast zu dem ausgeprägten Tief in seiner Karriere vor fünfzehn Jahren, als er vorübergehend die Kontrolle über seine Stammfirma Pergamon Press verlor und seinen für die Labour Party gehaltenen Sitz im Unterhaus einbüßte. Er verschwand "vom Fenster", und zu seinem Ärger und Schmerz riefen zwei von der Regierung eingesetzte Inspektoren nach einer sehr kritischen Untersuchung seiner finanziellen Transaktionen hinterher, er sei keine Person, "auf die man sich verlassen kann, eine börsennotierte Aktiengesellschaft ordentlich zu führen".

Aber in einer erstaunlichen Wiedergeburt erhob sich "Hauptmann Bob Maxwell" – er kam als junger tschechischer Freiheitskämpfer über Frankreich nach England und wurde von den Briten hoch dekoriert – aus der Asche. Anfang der achtziger Jahre begann sein unaufhaltsam scheinender Aufstieg. Er sanierte in ziemlich brutaler Weise die darniederliegende Druckindustrie und hinterließ dabei eine böse Spur von Massenentlassungen. Er fand Zeit für Übernahmekämpfe, bewahrte so nebenher den Oxford United Football Club vor dem Konkurs und erbot sich kürzlich, das Computerunternehmen des hochgelobten Erfinders Sir Clive Sinclair vor dem Untergang zu retten.

Sein größter Coup war jedoch die Übernahme der Mirror-Gruppe vor einem Jahr. Der Einbruch in das nationale Zeitungszentrum Fleet Street, die Erfüllung seiner Träume, kostete die stattliche Summe von 113 Millionen Pfund. Das gedruckte Wort reicht ihm längst nicht mehr aus. Maxwell hat einen Anteil an einer kommerziellen Fernsehgesellschaft. Er hat Lizenzen für Kabelsysteme und trägt sich mit dem Gedanken, dem Publikum Maxwell-Programme über einen Maxwell-Satelliten zugänglich zu machen.

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