Neue Terrorpläne der IRA und Enthüllungen über die zwielichtige Rolle des britischen Geheimdienstes in Nordirland drohen die Bemühungen um eine Lösung des Ulster-Konflikts zu torpedieren.

Großbritannien fürchtet einen heißen Sommer in Nordirland. In London, Glasgow und Blackpool sind Mitglieder der nordirischen Untergrundarmee IRA in Haft. Gegen sie laufen Ermittlungen wegen der Teilnahme am Bombenattentat auf das Grand Hotel in Brighton während des Parteitages der Konservativen im Oktober 1984. Bei dem Anschlag starben fünf Menschen. Die örtliche Polizei will überdies Pläne für eine großangelegte Terror-Kampagne in englischen Seebädern Während der bevorstehenden Urlaubszeit entdeckt haben.

Die IRA-Pläne haben den jüngsten Versuchder Regierungen in London und Dublin vereitelt, sich über eine politische Lösungdes Ulster-Konflikts zu unterhalten. Nichts lief zwischen Frau Thatcher und Garret Fitzgerald am Rande des Mailänder EG-Gipfels. Die alte Zweck-Koalition aus nordirischem Terrorismus und britischem Festhalten am Status quo funktioniert reibungslos – jeder hilft dem anderen.

Der Befriedung der Provinz dient es auch nicht, daß jetzt bekannt wurde, in den siebziger Jahren habe der britische Geheimdienst MI 5 die große Trickkiste geöffnet, um eines der ehrgeizigsten Experimente zu torpedieren, das bis dahin zur Lösung der Ulster-Frage erdacht wurde. Es ging damals – 1974 – um die Machtteilung zwischen Protestanten und Katholiken, durchgesetzt gegen den Willen der militanten protestantischen Zweidrittelmehrheit.

Die Vorwürfe konzentrieren sich darauf, Leute vom MI 5 hätten durch gezielte Informationen dafür gesorgt, daß Terroristen beider Seiten – britische Loyalisten wie irische Republikaner – eine Reihe von Personen töteten, die für die britische Armee unter der Bevölkerung spionierten. Dadurch sei in der Londoner Regierung der Widerstand gegen das Selbstbestimmungsexperiment in der Provinz Ulster gewachsen. Der Geheimdienst habe auch den Streik der rechtsstehenden Belfaster Protestanten gegen die Machtteilungspläne der Londoner Labour-Regierung gefördert – weniger in der Absicht, nordirische Politik zu machen als vielmehr mit dem Ziel, den damaligen Premierminister Harold Wilson zu Fall zu bringen.

Frau Thatcher hat diese Enthüllungen im November letzten Jahres zu sehen bekommen. Sie sind ihr durch einen höheren Beamten zugespielt worden, der seinerzeit dem britischen Militärhauptquartier in Lisburn (Nordirland) angehörte. Sie fanden auch ihren Weg in die Redaktion des Londoner Guardian, der sie jetzt veröffentlichte.

Karl-Heinz Wocker (London)