Von Karl Ott

München

Rudolf Mühlfenzl hatte sich viel Mühe gegeben. Jedoch: vergebens. Eine feine Konstruktion hatte er sich ausgedacht, wie die drei in München freiwerdenden (drahtlosen) Hörfunkfrequenzen vor allem den Großen der Branche zugeteilt werden könnten.

Doch Mühlfenzl, Geschäftsführer des Münchner Kabelpilotprojekts, war dabei mit den Grundsätzen der bayerischen Medienpolitik kollidiert und mit der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien, die ihn prompt zurückpfiff.

Der Reihe nach: Seit Ende Mai dürfen in München erstmals in der Rundfunkgeschichte der Bundesrepublik private Hörfunkveranstalter aktiv werden. Sie tun dies mit Hilfe des Bayerischen Rundfunks, der wiederum ein wenig politische Nachhilfe von der Bayerischen Staatskanzlei erhielt.

Der Staatskanzlei ging es dabei in erster Linie um das Wohl jener privaten Sender, die seit Beginn des Pilotprojektes am 1. April 1984 mit von der Partie sind – im Kabel. Neben der „Neuen Welle“ des CSU-Bundestagsabgeordneten Josef Linsmeier sind das die Musikradios „M 1“, „Aktiv“ und „Xanadu“. Diesen dreien drohte die Luft auszugehen, denn am Kabel der Bundespost hingen und hängen die wenigsten Münchner, und so gibt es auch kaum Geld für Werbespots. Ganz anders sieht es bei drahtlosen Frequenzen aus; mit deren Hilfe läßt sich ein ansehnliches Werbepublikum von zwei Millionen Zuhörern im Großraum München erreichen.

Als sich abzeichnete, daß im Frühjahr 1985 drei solcher Frequenzen frei.würden, setzte sofort ein großes Gerangel um sie ein. Und mit am Tisch saßen dann plötzlich nicht nur jene inzwischen elf Sender, die für ihre Anstrengungen im Kabel belohnt werden sollten, sondern neue Interessenten: unter anderem die Konzerne Bauer und Holtzbrinck sowie ein gewisses „Radio Soundtrack“, angeboten vornehmlich von Vorstandsmitgliedern des Bundesverbandes Deutscher Fernsehproduzenten und protegiert vom CSU-Bundestagsabgeordneten und Aufsichtsratsvorsitzenden des Pilotprojektes, Reinhold Kreile.