Wie selten bei Bilderbüchern, daß Text und Illustrationen von gleicher Stärke, von ähnlichem Temperament sind, nicht überlästig das eine, mühsam das andere. In diesen Geschichten für aufgeweckte Kinder, ist das gelungen:

Norman Junge (Ill.) und Monika Seck-Agthe (Text): „Lehn dich an und träume“; Verlag Beltz & Gelberg, Weinheim; 48 S., 22,– DM,

Es fängt an mit Kunststücken der Nilpferde Isidor und Klaus, die ein ganzes Haus zu stemmen vermögen. Auf einem Nachttopf kann die notwendig gewordene Notrutsche von den Bewohnern bewältigt werden. Weiter geht es mit einem Stück über den Narzismus: „Felicitas ist klein und wild./Sie macht die tollsten Sachen./Zufrieden ist sie aber erst,/wenn andre drüber lachen ...“ und das ist der Uhu, der im Zugcoupe sitzt und eigentlich viel lieber genüßlich seine Zeitung lesen würde.

Ein Hauch ökologischer Kritik ist bei der Suche allerlei verrückter Tiere mit englischen Regenschirmen nach einem neuen Stern zu spüren, da ihnen die „Erde zu eng, zu laut, auch total verbaut“ worden ist, der Stern dagegen von weitem so „gold und echt“ wirkt. Doch faktisch ist er in erster Linie matschig! Zärtlichkeit klingt bei einem Zwiegespräch zwischen dem Drachen und einem kleinen Mädchen auf seinen Knien an. Es geht um das Alleinsein, und darum, ob sie sich nicht zusammentun könnten, auch um das windschiefe Schloß zu teilen, in dessen Ritzen dies traute Gespräch stattfindet. Ein Huhn bekämpft Einsamkeit durch eine Heiratsannonce. Ein reger Briefaustausch entspinnt sich „lang und schön“ – mit einem Elefanten. Und schließlich macht sich das Huhn ganz mutig auf den Weg zum ersten Stelldichein, ... doch hier schweigt nun der diskrete Betrachter. Freiwillig wählt dagegen die Bärin dreimal im Jahr die Einsamkeit, um meditativen Abstand von Mann und Kindern zu bekommen.

Die Federzeichnungen, lebhaft und sanft koloriert, zeigen meist Nasentiere. Freundlich, pfiffig sehen sie aus, auch neugierig. Obwohl sie wie menschliche Gestalten agieren, mit allen Insignien menschlicher Würde und Absurdität ausgestattet, führen sie doch ein Eigenleben, sind autonom, nicht auf Menschen bezogen. Gerade so wie die Wesen kindlicher Phantasie, diese Verschmelzung aller krabbelnder, springender, flirrender Elemente, die die Welt ausmachen, neu zusammengesetzt, bunt angestrichen, mit frechen Schnäbeln ausstaffiert und durch ihre Sprödigkeit auf liebevoller Distanz gehalten. Astrid von Friesen

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In Anlehnung an Motive aus Heinrich Heines „Atta Troll“ erzählt der Autor die Geschichte der beiden Tanzbären Atta und Mumma Troll, die mit ihren Bärenführern Jakob und Luigi in Paris überwintern wollen. Dabei geraten sie in die Fänge des zwielichtigen Monsieur Lerat, der den arglosen Bären nach dem Leben trachtet. Weder die Tiere noch ihre Besitzer wissen, daß Lerat im Auftrag der Hexe Uraka handelt. Die braucht zur Herstellung ihrer Hexensalbe dringend frisches Bärenfett. Deshalb hat sie ihre Diener beauftragt, ihr so schnell wie möglich einen Bären zu bringen.