Wahrscheinlich hat es eine so exotische Dia-Schau in der Katholischen Akademie zu Hamburg zuvor noch nie gegeben. Auf Schwarzweißbildern präsentierte der amerikanische Meeresbiologe Eric Foell am Dienstag letzter Woche ein Panoptikum besonderer Art: Lebewesen wie den „Lollipop-Schwamm“ und andere Tiere aus den Tiefen des Pazifischen Ozeans, ausgewählt aus rund 70 000 Photos.

Viele der oft noch namenlosen Kreaturen sind nur durch eine einzige Aufnahme bekannt. Da wirkte das hübsche Porträt der schwimmenden Seegurke schon fast vertraut (siehe Aufnahme), trägt sie doch seit kurzem einen schönen Namen mit klassisch-griechischem Klang: Pentagone leander tauften Foell und sein Partner David Pawson das Tier aus dem uralten Stamm der Stachelhäuter.

Foells Diaschau kam keineswegs durch rein wissenschaftliches Interesse zustande. Die eigentliche Ursache für den systematischen Vorstoß in die Tiefsee sind die dunklen Flecken im Hintergrund des Seegurkenporträts: Manganknollen. Die metallhaltigen, meist faustgroßen Brocken liegen über Millionen von Quadratkilometern vor allem im Pazifik verstreut.

Technisch ist der Abbau der Manganknollen heute kein Problem mehr. Und es besteht kein Zweifel, daß neuartige Saugbagger die Schätze am Ozeanboden einsammeln werden, sobald die Weltmarktpreise für die in den Knollen enthaltenen Metalle einen Gewinn beim Tiefseebergbau versprechen.

Die Baisse der Rohstoffpreise bescherte den Tiefseebiologen Anfang der achtziger Jahre unerwartet etwas Luft bei ihrem Versuch, mehr über das Leben im größten und zugleich uns fernsten Ökosystem der Erde zu erfahren: Was lebt dort unten? Wie wird die Umwelt am Grund der Ozeane durch menschliche Aktivitäten beeinflußt – durch Tiefseebergbau, Gift- und Strahlenmüllablagerung? Und können Giftstoffe durch biologische Aktivitäten in den menschlichen Lebensraum zurückgelangen (wofür es erste Hinweise gibt)?

Beim vierten internationalen Tiefseebiologie-Symposium letzte Woche in Hamburg wurde deutlicher denn je, daß die Arbeit der Forscher letztlich von finanziellen Zuwendungen der Meeresnutzer und -verschmutzer abhängt. Jahrzehntelang diente die Tiefsee als Kippe für radioaktive Abfälle, Munition, Nervengase und Chemiemüll, ohne daß auch nur in Umrissen bekannt gewesen wäre, welche biologischen Aktivitäten dort unten ablaufen. Und auch nun, da erste systematische Erkenntnisse darüber vorliegen, werden Forschungsserien eingestellt, wenn zum Beispiel das „Dumping“ – das Versenken von Abfällen – beendet wird.

Dabei haben die Tiefseebiologen nichts nötiger als kontinuierliche Meßreihen und eine grunaleende Erfassung, welche Organismen jenseits der Tausend-Meter-Tiefenlinie überhaupt existieren. Die Erkenntnisse sollen Entscheidungshilfen für Politiker und interessierte Industriezweige sein, meint Hjalmar Thiel von der Universität Hamburg, der Organisator des Symposiums.