Einbrechen für Anfänger. Die erste, einfache Aufgabe: Wir brechen eine Wohnungstür auf. Gesichert ist sie mit Zylinderschloß und Vorlegekette. Der Kursteilnehmer schielt zum Hammer, wird aber freundlich ermahnt, lieber den langen Schraubenzieher zu benutzen. Einmal wegen der günstigen Hebelwirkung. Und auch, weil bei der praxisnahen Schulung unauffällige Transportmöglichkeiten des Werkzeug zum Tatort berücksichtigt werden müssen. Der Schraubenzieher-Tip erweist sich als gut. Sesam öffnet sich im Nu. Applaus der Umstehenden, ein Lob des Lehrers: "Neun Sekunden, nicht schlecht."

Größere, Schwierigkeiten bereitet ein abgeschlossenes Kellergitter. Der Kandidat gerät ins Schwitzen. Doch reißen glücklicherweise die Schweißnähte auseinander. Immerhin, neunzig Sekunden. Aber beim "lautlosen Arbeiten im Schacht" kann man sich schon mal etwas mehr Zeit nehmen.

Wie leicht es ist, in Wohnungen und Häuser einzubrechen, konnten die Teilnehmer eines Journalisten-Seminars der Hamburger Kriminalpolizei selbst ausprobieren. Man muß kein schwarzgekleideter Fassadenkletterer sein, um sich lautlos, unauffällig und schnell Zugang zu fremden Häusern zu verschaffen. Selbst Rolläden, von vielen als Garant häuslicher Sicherheit betrachtet, lassen sich von außen ohne großen Kraftaufwand mit unauffälligen Hebeln schnell aus den Schienen biegen und anschließend auseinanderreißen.

Einen ganzen Vormittag lang knackten sich die Teilnehmer durch ein präpariertes Musterhaus. Bald hatten sie den Eindruck, man könne sich und seine Wertsachen ebenso gut in einem offenen Zelt lagern.

Tückisch wurde es lediglich bei den Fenstern. Je nach Aufgabenstellung mußten sie mit Glasschneider und Sauger "geöffnet" werden oder mit Hammerschlägen. Das splitterte und krachte. Im Ernstfall würden die Nachbarn wach – Fenster sind Einbrechern nicht zu empfehlen.

Je mehr Schutzbeschläge, Türrahmenhintergreifhaken und Winkelschließbleche eingebaut sind, je größer und unhandlicher die erforderlichen Werkzeuge, desto größer auch die Chance, daß ein Einbrecher sich lieber ein anderes Haus sucht.

Die Zunahme von Diebstählen und Einbrüchen im privaten Bereich, in Hamburg von 1983 auf 1984 allein um 22,1 Prozent, veranlaßt die Polizei zu intensiverer Vorbeugearbeit. Denn: wenn es schwieriger wird, in Wohnungen hineinzukommen, wird auch der Anreiz geringer, es überhaupt zu versuchen. Hofft die Polizei.