ließen sich die Sikh-Terroristen, auf deren Konto vermutlich der Absturz eines indischen Jumbo Jets vor der Küste Irlands geht, in einem privaten amerikanischen Söldnercamp im Umgang mit Sprengstoff ausbilden?

In Amerika gibt es privat betriebene „Söldnerschulen“; das ist seit langem bekannt. Eine davon, das „Rondo“-Ausbildungslager in Dolomite bei der Stadt Birmingham in Alabama, erregte jetzt besonderes Aufsehen. Dort hatten mehrere Sikhs aus Indien an einem Lehrgang teilgenommen, die sich dann an der Vorbereitung eines Attentats auf Premierminister Rajiv Gandhi während seiner Amerikareise beteiligt haben sollen.

Das FBI konnte den Anschlag vereiteln. Drei „Rondo“-Absolventen wurden verhaftet. Seit der Explosion des Air-India Jumbo über dem Atlantik nimmt auch in Amerika niemand den Terrorismus militanter Sikhs auf die leichte Schulter. Im Zusammenhang mit dem versuchten Attentat auf Rajiv Gandhi, aber auch mit der Bombenexplosion bei der Gepäckentladung eines kanadischen Flugzeugs in Tokio wird nach weiteren zwei Sikhs gefahndet, von denen einer, Lal Singh, im November vorigen Jahres in Dolomite im Staate Alabama den Umgang mit Sprengstoffen und Handfeuerwaffen studiert hatte.

Ein Lehrgang dauert zwei Wochen und kostet 350 Dollar. Die Handhabe von Maschinenpistolen, Schnellfeuergewehren und Sprengstoffen gehört ebenso zum Pensum wie das Überleben in der Wildnis und die Kunst, einen Menschen mit dem Messer umzubringen. Die Anforderungen, denen sich angeblich Ärzte, Rechtsanwälte, Handwerker und Reporter genauso unterziehen wie Söldner aus Afrika, Indien und dem Nahen Osten, sind hart und „kriegsmäßig“.

Frank Camper, der Eigentümer der Schule und einziger Instrukteur, ein hochdekorierter Teilnehmer des Vietnamkrieges, fragt nicht nach den Lernmotiven seiner Schüler. Wenn sie nun aber Terroristen werden? Darauf antwortet der konservativen Washington Times zufolge Frau Mavis Camper: „Wir würden das – bedauern. Sich darüber aufzuregen, wäre aber genauso, als betriebe man eine Fahrschule und dann geht einer los, macht einen Unfall und begeht Fahrerflucht.“

Die Existenz des Ausbildungslagers entspricht – vorläufig noch – den Zulassungsvorschriften für Privatschulen im Staate Alabama. Die Landesregierung sei jedoch dabei, so ist zu hören, die Rechtsgrundlage für „Rondo“ zu überprüfen. Für die Listen der Kursteilnehmer hat sich auch schon das Bundeskriminalamt interessiert.

In einem Interview mit dem New Yorker Fernseh-Korrespondenten der ARD, Claus Richter, gab Camper über die Angriffsziele seiner ehemaligen Sikh-Scnüler erstaunlich offen Auskunft: „Die Sikhs dachten daran, Kernkraftwerke zu sabotieren, Trinkwasser- und Nahrungsmittelspeicher zu vergiften, in den Großstädten Unruhen mit vielen Toten anzuzetteln, Bomben gegen indische Kriegsschiffe vor Anker, in Pröminentenhotels und gegen hochgestellte Persönlichkeiten und Staatsdiener zu legen.“ „Und so viele Menschen wie möglich zu töten?“, fragte Richter. Camper: „So viele wie möglich zu töten, yes, Sir.“ Ulrich Schiller (Washington)