Mit einem McKinsey-Mann im Vorstand will das Versandhaus Quelle seine Probleme lösen

Der Wechsel bricht mit ungeschriebenen Regeln. Am 1. Juli ist ein Manager mit Sonderauftrag in den Vorstand von Quelle in Fürth getreten: der 41jährige Klaus Zumwinkel. Er kommt von der amerikanischen Beratungsfirma McKinsey und Company, für die er in den vergangenen Monaten das Spitzenunternehmen des europäischen Versandhandels kritisch unter die Lupe genommen hat. Er soll nun die Durchsetzung des von ihm für die Quelle entwickelten Untemehmenskonzepts selbst betreuen und überwachen.

Der Übertritt ist ungewöhnlich, weil die Beratungsgesellschaften nach einem fast durchweg üblichen Comment darauf schauen, daß ihre Spitzenleute nicht unmittelbar in die Dienste eines eben beratenen Unternehmens treten, um dort ihre Reorganisationsvorschläge selbst zu exekutieren. Überraschend ist er auch, weil man bis dato bei Schickedanz – die Gründerwitwe Grete Schickedanz leitet Quelle noch immer – Beratern allgemein recht skeptisch gegenüberstand. Der Eintritt Zumwinkels in den Quelle-Vorstand zeigt, wie sehr man bei der dringend notwendigen Umstrukturierung der Schickedanz-Gruppe mit ihren fast elf Milliarden Mark Umsatz und rund 40 000 Beschäftigten auf den amerikanischen Rationalisierungskonzern hofft. Eisern sparen statt auf neue Ideen zu setzen – das scheint das einfallslose Konzept zu sein, das die Gruppe aus ihren Schwierigkeiten führen soll.

Der Einzug McKinseys bei Schickedanz vollzog sich in zwei Etappen. Zunächst wurde vor über drei Jahren der Beraterriese mit der Analyse der Vereinigten Papierwerke Schickedanz & Co (VP) in Nürnberg, der schwächsten Stelle des Konzerns betraut. Im Herbst vergangenen Jahres lagen die Ergebnisse vor, und man ging dann daran, das rigorose Reorganisationskonzept für die Papierwerke zu realisieren. Noch ehe die McKinsey-Leute mit ihrer Analyse fertig waren, entschloß sich das Konzernmanagement, die Consultant-Firma auch auf den Kern des Schickedanz’schen Familienimperiums anzusetzen, die Quelle.

Im vergangenen Sommer schickte McKinsey ein neues Team, das allerdings unter der gleichen Leitung stand wie die Gruppe, die sich die Papierwerke vorgenommen hatte. Offenbar waren die Quelle-Oberen von dem Teamführer Zumwinkel und seiner Expertise so angetan, daß sie ihn nun ganz auf ihre Seite holten. Zumwinkel genießt als Handelsexperte einen guten Ruf.

Das harte Durchgreifen gleichzeitig in beiden Schlüsselunternehmen der Schickedanz-Gruppe nach den Rezepten von McKinsey, der dafür Beraterhonorare zwischen fünf und zehn Millionen Mark kassierte, setzt den Familienkonzern ganz schön unter Streß. „Ich empfehle jedem Unternehmen, sich einmal jemanden von außen zu holen und sich von ihm beraten zu lassen“, meint Wolfgang Bühler, Aufsichtsratsvorsitzender der Papierwerke und nach Grete Schickedanz und seinem Schwager Hans Dedi dritter in der Führungstroika. Die Vorlage der beiden Jahresabschlüsse für die Papierwerke und Quelle ist zunächst einmal auf den Herbst verschoben worden, weil man ungestört die Weichen für die Reorganisation stellen will.

Dabei sind die konkreten Probleme beider Unternehmen unterschiedlich. Die Papierwerke – Konzernumsatz zuletzt 1,1 Milliarden Mark – leiden unter einer zersplitterten Produktion ebenso wie unter billigen Konkurrenten. Bisher wurden zu viele Produkte gleichzeitig in mehreren Werken produziert. Das mit McKinseys Hilfe ausgearbeitete Konzept zielt auf eine Straffung und Neuorganisation der Produktion ab.