Trauriges Ergebnis

ZEIT: Herr Höpfner, Sie haben in ihrem Institut Hochrechnungen über die Wirksamkeit verschiedener Katalysatorkonzepte angestellt. Was bringt danach der europäische Kompromiß? Wie lange wird es schätzungsweise dauern, bis die Umweltbelastung durch die für den Wald schädlichen Stickoxide zurückgehen wird?

Höpfner: Wir haben die neuen Zahlen in unser Computermodell eingegeben und müssen feststellen, daß die Stickoxidbelastung aus dem Bereich Verkehr mindestens bis zur Jahrtausendwende weiter steigen wird. Das liegt an den langen Umstellungsfristen, die die Europäer gewähren, und an den abgeschwächten Grenzwerten. Ein trauriges Ergebnis: Im Jahr 2000 wird die Belastung mit Stickoxiden weiter über dem Niveau von 1985 liegen.

ZEIT: Aber wenn zumindest einige Leute mit abgasarmen Autos fahren, muß das doch in den nächsten Jahren schon eine Entlastung der Umwelt bringen.

Höpfner: Nicht unbedingt. Bei der jetzigen europäischen Regelung werden zwar immer mehr schadstoffarme Autos herumfahren. Aber die Entlastung der Umwelt wiegt nicht auf, was im gleichen Zeitraum zusätzlich an Stickoxiden in die Luft abgegeben wird. Denn die vergangenen Jahre haben gezeigt, daß die Stickoxidbelastung aus dem Verkehr in der Bundesrepublik jährlich um fünf Prozent zunimmt. Der Grund: Es fahren immer mehr Autos, und sie fahren immer öfter auf den Autobahnen, wo wegen der schnelleren Fahrweise mehr Stickoxide anfallen. Die abgasarmen Neuwagen, die von 1988 und später an gekauft werden, können das nicht wettmachen.

ZEIT: Auch nicht, wenn Innenminister Zimmermanns Plan greift und die Steueranreize immer mehr Bundesbürger schon in den nächsten zwei Jahren zum freiwilligen Kauf eines abgasarmen Autos animieren?

Höpfner: Das haben wir ebenfalls durchgerechnet. Wenn von heute an alle Neuwagenkäufer ein Auto bestellen, das den späteren europäischen Normen entspricht, wird die Stickoxidbelastung zwar nicht mehr ganz so stark zunehmen, aber sie wird immer noch weiter ansteigen. Denn es dauert sehr lange, bis sämtliche alten Autos durch Neuwagen ersetzt werden.

ZEIT: Wie lange?

Trauriges Ergebnis

Höpfner: Wir rechnen, daß jedes Jahr rund ein Zwölftel des Autobestandes – das sind in der Bundesrepublik ein Zwölftel von rund 25 Millionen Personenwagen – ersetzt werden. Selbst wenn also von heute an alle Neuwagenkäufer EG-konforme Autos kaufen, dauert es noch sechs Jahre, bis die Hälfte des Bestandes ersetzt ist. Und daß dies tatsächlich passiert, ist kaum zu erwarten. Und selbst wenn das Nachrüstungskonzept der Bundesregierung für die Altwagen greifen würde – wir haben unterstellt, daß dann ein Fünftel aller Altwagenbesitzer sich für dieses Nacnrüstungskonzept entscheiden würde –, auch dann würden die Stickoxidemissionen aus dem Verkehr noch einige Zeit ansteigen.

ZEIT: Einzig und allein, weil die Verkehrsleistung weiter zunimmt?

Höpfner: Richtig. Außerdem sind die neuen Vorschriften ja nicht mehr so streng wie ursprünglich vorgesehen. Denn in Zukunft werden nun höchstens die elf Prozent Autos der Oberklasse einen Dreiweg-Katalysator haben, während in der Mittelklasse der schwächere ungeregelte Katalysator oder ein Magerkonzept mit einem einfachen Oxidationskatalysator ausreicht. Da bei Mittelklassewagen ein kombinierter Grenzwert für Kohlenwasserstoffe und Stickoxide vorgeschrieben wird, werden die Stickoxide vielleicht nur in einem ganz geringen Maß reduziert, weil es ökonomischer ist, bei den Kohlenwasserstoffen mit der Abgasreinigung anzusetzen, und man damit die Vorschriften dann auch erfüllt. iml