Es ist heute geboten, in allen Staaten die vorbeugenden Sieherungsmaßnahmen gegen terroristische Flugzeugentführungen und Geiselnahmen zu überprüfen und zu ergänzen. Ein internationaler Vertrag sollte dazu gehören: Die Regierungen sollten sich verpflichten, den Weiterflug eines gekaperten Flugzeugs unmöglich zu machen, zum Beispiel durch Blockade der Startbahnen. Dies mag im konkreten Fall auf innenpolitische Kritik stoßen, aber gegen solche Kritik wäre eine Regierung dann besser gefeit, wenn sie sich auf Erfüllung einer vertraglich formulierten völkerrechtlichen Pflicht berufen kann.

Gewiß würden die gleichfalls international operierenden Terror-Organisationen zunächst die Regierungen auf deren Festigkeit testen. Wenn aber dann in ein oder zwei Fällen der Wille der Regierungen unbezweifelbar geworden ist, notfalls auch Opfer in Kauf zu nehmen, werden sie danach verschont bleiben.

Regierungen jedoch, die unter terroristischer Drohung ein entführtes Flugzeug auftanken und weiterfliegen lassen, bieten ihre Flughäfen als Freihäfen für den internationalen Terrorismus an. Sie mögen sich einreden, das kleinere Übel zu wählen – in Wahrheit jedoch sprechen sie Einladungen zur Wiederholung aus. Statt dessen ist eine internationale Solidarität der Festigkeit vonnöten. Und man darf annehmen, daß auch die Sowjetunion sich daran beteiligen würde.

Helmut Schmidt