So ein grauenvolles Buch. Es ist überhaupt nicht zu fassen. In dem ganzen unfaßbar grauenvollen Buch ist ein einziger schöner Satz, und der ist schnell zitiert: „Er lachte wie ein Maikäfer“. Man kennt das ja: spätestens Ende April ertönt landauf, landab dies schallende Gelächter, zuerst keckernd nur, dann immer froher, bis es richtig lauthals ist und es Zeit wird für die Maikäferplage. So ein grauenvolles Buch. Es ist überhaupt nicht zu fassen.

Harry Rowohlt über Mathias Noltes Entwicklungsroman „Großkotz“. Die Rezension ist erschienen in „Der Rabe – Magazin für jede Art von Literatur“, Haffmans Verlag Zürich.

Hamburg, jede Woche neu, DM 3,50. Noch gibt es dies gar nicht als Buch, aber das kommt schon noch, und dann sagt bitte nicht wieder, ich hätte Euch Onicht gewarnt.

Derselbe ebenda in einer Rezension des Nicht-Buchs: „Rolf ,Pfeife‘ Winter, Briefe an die Stern-Leser“.

Hamburger Kinotage

Kaum ist das eine Filmfest (in München) zu Ende, fängt das andere (in Hamburg) schon an. Bis zum kommenden Sonntag dauern die 12. Hamburger Kinotage. Im Gegensatz zu München gibt sich die Hansestadt bescheiden: Rund 25 neue oder vergessene Spielfilme werden zu sehen sein, von denen durch Publikumsvotum einige in das Programm der Filmkunsttheater und Programmkinos aufgenommen werden. Zwar gibt es auch amerikanische Filme, zum Beispiel Robert Altmans „Secret Honor“, ein Psychogramm Richard Nixons, der Schwerpunkt jedoch liegt auf europäischen Filmen, die in letzter Zeit bei Programmkino-Besuchern wieder beliebter werden. Frankreich ist mit „L’homme blessé“ von Patrice Chéreau, Spanien mit „Tasio“ von Montxo Armendariz vertreten. Aus Rußland kommen außer dem Film „Ohne Zeugen“, einer Variante von Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“, zwei Komödien. Auch Deutschland gibt sich in zwei von drei Filmen komödiantisch. Lothar Lamberts „Der sexte Sinn“ ist ein nicht ganz ernst zu nehmendes Melodram, „Erst die Arbeit und dann ...“ von Detlef Buck erzählt skurril-witzig von den Erlebnissen eines holsteinischen Bauernjungen in Hamburgs Schickeria-Szene.

Armer Arno

Wieder mal Neues über Arno Schmidt und seine – nicht vorliegenden – Bücher. Und wieder kommen die Nachrichten nicht aus einem Verlag, sondern aus einem Gericht. Das Landgericht Hannover hat in erster Instanz entschieden, daß die von Arno Schmidts Witwe 1982 dem S. Fischer Verlag erklärte fristlose Kündigung sämtlicher Verträge über die früher in diesem Verlag erschienenen Werke nicht wirksam ist. Was heißt das für Leser? Können wir, endlich wieder, Schmidts Bücher in preiswerten Taschenbuchausgaben kaufen? Der „Sieger“ (Fischer-Verlag) begnügt sich vorerst mit dem Jubel über seinen juristischen Triumph. Ob und wann vergriffene Taschenbuch-Ausgaben neu aufgelegt werden: Schweigen, wie bisher. Der vorläufige „Verlierer“ im juristischen Sinn, die von Jan Philip Reemtsma gegründete Arno-Schmidt-Stiftung und der Von ihr zur Edition ermunterte Haffmans Verlag, Zürich, kündigen nicht nur Berufung vor dem Oberlandesgericht Celle, sondern weiterhin die „Werkausgabe“ für das Frühjahr 1986 an. Wird der Schmidt-Leser durch Neuauflagen reich, wennder arme Arno nach seinem Tod von einem Gericht vor das nächste gezerrt wird? S. Fischer hat als Reprint drei Bücher wieder herausgebracht und kündigt weitere Titel an. Haffmans hat, als „Zürcher Kassette“, in acht Bänden das erzählerische Werk vor dem gigantischen Epos „Zettels Traum“ neu herausgegeben. Weil das Gericht die Vorwürfe der Stiftung gegenüber dem S. Fischer Verlag (mangelhafte Vertragserfüllung; „Honorarverkürzungen“, „Abrechnungsmängel“) im einzelnen nicht untersucht hat, ist die Warnung der Stiftung vor den üblichen Verlagsverträgen ebenso wichtig: „Dieses Urteil wird sich für alle Autoren nachteilig auswirken.“