Die Gutehoffnungshütte soll mit ihrer Tochter MAN verschmolzen werden. Wahrscheinlich schon in einem Jahr wird Klaus Götte, der Vorstandsvorsitzende der Gutehoffnungshütte Aktienverein AG (GHH), mit seiner Stabsmannschaft Abschied nehmen von dem über hundert Jahre alten preußisch-kargen Verwaltungsbau in Oberhausen, und nach Augsburg umziehen, von wo aus er künftig den Konzern steuern wird.

Erst in der Krise war die Einsicht gereift, daß man jahrelang veraltete Organisationsstrukturen nur liebgewordener Traditionen wegen konserviert hatte. Als die MAN Maschinenfabrik-Augsburg-Nürnberg, lange Zeit als Perle des Konzerns und Helferin in allen schwierigen Situationen hochgelobt, vor drei Jahren in tiefrote Zahlen schlitterte (die Verluste summierten sich bisher auf 550 Millionen Mark), war auch die gute Beziehung zwischen ihr und ihrer Oberhausener Holding dahin.

Es mußten nicht nur die Kapazitäten der MAN verringert und mit mehr als zehntausend Beschäftigten über ein Fünftel der Belegschaft abgebaut werden. Man ortete nun auch, spät genug, schwerwiegende Konstruktionsfehler im Konzernbau der Gutehoffnungshütte. Dem früheren GHH-Chef Manfred Lennings, der dann im Herbst 1983 seinen Rücktritt erklärt und Götte den Weg an die Konzernspitze freigemacht hatte, war angesichts der Misere der MAN klargeworden, daß er die stolze Tochter an einer zu langen Leine geführt hatte.

Um dies wieder gut zu machen, wollte Lennings selbst in den MAN-Vorstand eintreten und dort das Heft in die Hand nehmen. Als die Großaktionäre ihm das verwehrten, warf er das Handtuch. Er hatte jedenfalls erkannt, daß kein Weg daran vorbeiführt, GHH und MAN ganz nahe aneinanderzurücken – bis zur Fusion.

Sein Nachfolger auf dem Chefstuhl in Oberhausen wiegelte zunächst ab: Klaus Götte wollte zumindest vorerst, so schien es, ohne solch einen einschneidenden Konzernumbau auskommen. Heute ist Götte ganz auf den Kurs von Lennings eingeschwenkt.

Der jetzt neugebildete MAN-Unternehmensbereich Maschinen- und Anlagenbau, der die Werke Nürnberg, Gustavburg und Sterkrade zusammenfaßt, ist eine wichtige Voraussetzung für den Umbau der ganzen GHH-Gruppe, eine Zwischenstufe auf dem Weg zur Verschmelzung an der Spitze. Noch im Dezember hatte MAN-Vorstandsvorsitzender Otto Voisard vor der Presse in Augsburg getönt, es gebe „keinerlei generelle Überlegungen zur Unternehmensstruktur“. Doch da waren die Weichen längst gestellt.

Der erste Schritt war im vergangenen Jahr die Ausgliederung des Augsburger Unternehmensbereichs Dieselmotoren. Er wird als MAN-BW-Diesel GMBH weitergeführt und bildet mit der Parallel-Firma BW-Diesel O/S in Kopenhagen praktisch eine einzige Firma. Die Druckmaschinen waren schon vorher bei der MAN-Roland Druckmaschinen AG in Offenbach, einer fast hundertprozentigen MAN-Tochter, gelandet.