Kritisches Medium oder beduselnde Droge: Der Streit um Sinn und Unsinn des Fernseh-Journalismus ist so alt wie die Institution selber; sie ist mächtiger als jeder Meinungsmacher bisher – aber auch ohnmächtiger Weißmacher? Mal heißt es, die steigende Kriminalität sei direkte Frucht der Gewalt am Bildschirm und die steigende Auflage der „Buddenbrooks“ Ergebnis der Fernsehverfilmung von Thomas Manns Roman; gar „Tele-Demokratie“ wird geschimpft, was uns den vermeintlich schönsten, schlüpfgewandten „Verkäufer“ seiner Politik als Präsidenten, Minister, Kanzler beschert statt des Mannes mit den besseren Argumenten. Dann aber heißt es wiederum, die Herren über Kamera, Kabel und Bild seien ohne Einfluß, nicht Wach-, sondern Bewußtlosmacher der Nation. Das Wetter stimme nie, und die Kultur käme, wenn, dann als Arabeske vor: immer Enzensberger im weißen Schlapphut auf der Rialtobrücke, aber nie seine Gedichte.

Das ZEIT-Feuilleton will sich, für die heute begonnene Serie „Anatomie des Fernsehens“, für einen präzisen Zeitraum Woche für Woche bestimmte Sendungen ansehen – Talkshows und Musikfeatures, Kinder- und Quizsendungen, Sportberichte oder Ratgeberfilme. Nächste Woche Kulturmagazine.