Auch die Positionen sowjetischer Unterhändler sind nicht immer in Beton gegossen – dies könnte ein Bericht der New York Times aus Genf ankündigen. Die Sowjets, so meldet das Blatt, bestünden nun nicht mehr darauf, jegliche Forschung für Weltraumwaffen zu verbieten, nur Tests sollten eindeutig ausgeschlossen werden.

Wenn diese Meldung – die das State Department dementiert hat – zuträfe, so wäre dies das erste Hoffnungszeichen für einen Genfer Kompromiß. Gewiß, viele technische Fragen wären vorher noch zu klären. Vor allem: Die Regierung Reagan hat sich bisher stets hartnäckig geweigert, ihr SDI-Programm in die Verhandlungen einzubeziehen. Der skizzierte Vorschlag wäre dennoch vernünftig. Er läuft auf nicht mehr und nicht weniger hinaus, als daß die beiden Weltmächte ihren 1972 geschlossenen Vertrag über die Begrenzung der Raketenabwehr auf der Erde und im All auch künftig beherzigen.

Für die Regierungen Westeuropas geht die Zeit des Lavierens zu Ende. Das gilt erst recht, wenn die Sowjets jene „radikalen Lösungen“ für die Rüstungskontrolle enthüllen sollten, von denen Michail Gorbatschow schon vor Monaten gesprochen hat. Dann müssen die Europäer entscheiden, ob sie ihr Unbehagen über SDI weiterhin schamhaft verbergen oder aber Washington offen zum Kompromiß drängen sollen. -cb-