Von Monika Putschögl

Strahlend blau wie ein Saphir spannt sich der Himmel über den Park von Hellbrunn. Der Duft des Sommers liegt über den Wiesen. Dieser Samstag ist einer jener Sonnentage, an denen selbst der größte Grantler nicht anders kann, als fröhlich zu sein. Es ist der Tag, ein Fest zu feiern.

Fanfarenstöße schallen vom Schloß, lassen Ruhe in die vielhundertköpfige Menge kommen. Im feierlichen roten Ornat tritt Erzbischof Markus Sittikus auf die Freitreppe, wendet sich an seine Untertanen und fordert sie zum Feiern auf: Das Fest in Hellbrunn kann beginnen.

Sittikus, Renaissancefürst mit Mediciblut in den Adern, war von 1612 bis 1619 Fürsterzbischof und somit Herrscher über Stadt und Land Salzburg. Der bauwütige Regent, ein Mensch mit derbem Humor wohl auch, er hätte seine Freude gehabt an dem Spektakel, das an zwei Wochenenden Ende Juli und Anfang August in seinem Lustschloß steigt. Er hätte sich unterhalten bei Ballett und Feuerwerk, bei Oper und Kasperltheater, bei Serenaden und Homer-Oden, bei Harfenklang und Trinkliedern.

16.15 Uhr. Das Orchester hebt an. Durch den Ehrenhof schallen die Arien. Ein paar Zuschauer haben die Regenschirme aufgespannt, um sich gegen die pralle Nachmittagssonne zu schützen. Andere sind schon wieder weitergezogen zur Allee, wo eine Musikgruppe unter der Linde auf Hackbrett und Zither Mozart und Haydn zupft. Andächtig kauern die Zuhörer im Gras, lassen, sich beim Lauschen der zarten Töne nicht stören vom stimmgewaltigen Finale, das von der Oper herüberweht. Der Wind trägt die Weisen über die Wiesen.

"Wir müssen den Gesamtkomplex Hellbrunn zum Klingen bringen", sagte vor gut 15 Jahren Hofrat Bernhard Paumgartner, Spiritus rector des Fests. 1970 wurde zum erstenmal gefeiert, jahrelang unter der künstlerischen Leitung von Oscar Fritz Schuh; dem im letzten Jahr Verstorbenen ist das diesjährige Fest gewidmet. Mit dem Gedanken, Hellbrunn zur Bühne fröhlicher Feste zu machen, hatte schon Max Reinhardt Anfang der Zwanziger Jahre gespielt. Er wollte ein Festspielhaus in den weiten Park des Schlosses setzen. Zum Glück wurde daraus nichts.

18 Schauplätze hat das Fest, beispielsweise die große Wiese hinterm Schloß, den Forellenteich im Schatten der alten Bäume, die Tannenallee. In den Abendstunden, wenn die Hitze des Tages sich zu milder Wärme wandelt, wenn die Schatten lang über die Wiese fallen und sich die ersten Abendnebel zwischen die Bäume senken, wird hier die Horngruppe das Große Halali blasen, und Jagdhörner werden wie ein Echo aus dem nahen Birkenwäldchen antworten.