So breit das Angebot hiesiger Veranstalter an DDR-Reisen ist – FFK-Ferien im anderen Teil Deutschlands werden nicht angeboten. Dabei ist das Nacktbaden jenseits der Elbe nicht minder weit verbreitet als diesseits.

Die Nackten und die Roten sind in der DDR keine Gegner, die Partei toleriert die hüllenlose Massenbewegung schweigend. Sie fing nicht anders an als in der Bundesrepublik: Die ersten Badeanzüge fielen bereits, als die meisten noch nicht wußten, wo sie Klamotten für den Alltag herbekommen sollten.

Vor allem an der Ostsee bildete sich eine klassenlose Gesellschaft der Unverhüllten, an entlegenen Stränden entstanden im wahrsten Sinne des Wortes „Freiräume“. Wilde Geschichten sind aus jenen Tagen überliefert. Da soll sich eine regelrechte „Nackten-Polizei“ formiert haben, nein, nicht die uniformierte Staatsgewalt auf der Hatz nach Unbedeckten, die Hautherzeiger stellten eine Schutztruppe. Diese sollte Blusen- und Hosenträger anhalten, sich der Textilien zu entledigen, ehe sie eindrangen in die FK-Kultur. Mitunter sollen diese Hüter freier Ordnung bei Unwilligen handfest nachgeholfen haben.

Doch das sind Histörchen aus alter Zeit. Bald tauchten die ersten Hinweise auf Nacktbadestrände in Campingführern auf, ja, es wurden sogar FKK-Zeltplätze angelegt, auf denen man gar nicht mehr zum Strand pilgern mußte, um sich einen roten Hintern zu holen. In den siebziger Jahren entstanden auch an zahlreichen Binnenseen Nacktbade-Strände, wenngleich nicht genug, um der großen Nachfrage zu entsprechen. Diese Zurückhaltung begründeten die Verantwortlichen mit den Wünschen jener, die, aus welchen Gründen auch immer, beim Baden keine Genossen im Adamskostüm um sich haben wollen – sicherlich berechtigte Wünsche.

Staatliche Prüderie ist diesmal nicht der Grund für die Zurückhaltung, das beweist auch das staatliche Fernsehen. Seine beliebteste Sendung, das Magazin „Außenseiter – Spitzenreiter“ berichtet so häufig und hautnah aus dem Reich der Nackten, daß man einen eigens spezialisierten Korrespondenten vermutet. Selbst widrige Witterung ist kein Hindernis: Das DDR-TV zeigte bereits winterliche Badegäste, verhüllt lediglich mit einer Pudelmütze.

Das blanke Hinterteil ist also auch jenseits der Elbe gesellschaftsfähig geworden – solange es separiert vom Rest des Volkes getragen wird. Strände, an denen es jeder mit der Kleidung nach Gusto halten kann, sind zwar ein beliebtes Gesprächsthema in der DDR, erlaubt sind solch lose Sitten aber nicht Sie werden bestenfalls an abgelegenen Ostseestränden toleriert. Ansonsten herrscht hochgeschlossene Zucht. Selbst halbe Sachen sind verpönt. Oben ohne gibt es für Genossinnen in Strandbädern und auf Parkwiesen nicht. Allerdings ist der Moral bereits Genüge getan, wenn Anstandsbändchen oder -flecken die strittigen Punkte bedecken.

A.M.