Von Gerhard Seehase

Der Pastor kommt "nur mal so zum Klönschnack" durch die Tür. Die Frau des Polizisten reicht Photos vom Jahrmarkt herein und kündigt "noch einen kleinen Bericht dazu" an. Ein aufgeregter Gemeindevertreter hat 204 Unterschriften gesammelt, mit denen er die Öffentlichkeit mobilisieren will, "damit auf unserer Kreisstraße das Geschwindigkeitslimit nicht von 50 auf 70 erhöht wird".

Die Tür zur Lokalredaktion des Nordfriesland Tageblattes in Leck steht jedem offen. Hier geht man hinein, ohne anzuklopfen. Sonja Grieve, die nun schon seit 13 Jahren alleinverantwortlich zeichnet für die Lokalseite der Äußenredaktion Leck, ist unablässig von Menschen umgeben, die etwas wollen. Und sei es, daß sie sich beschweren wollen.

Pastor Spannenberg ist allerdings nicht, "vorbeigekommen", um sich über die Lokalredakteurin zu beschweren. Im Gegenteil, er möchte dem Gast aus Hamburg klarmachen, daß "die Frau Grieve" Lob verdient hat. "Sie ist eine journalistische Zehnkämpferin", sagt er, "mit scharfem Verstand und weichem Herzen."

Sie reagiert darauf ein bißchen verlegen und gibt zu, "daß das mit dem weichen Herzen" stimmt.

Seit 1972 "macht" Sonja Grieve die Lokalseite für Leck. Leck ist ein kleiner Ort mit rund 8000 Einwohnern. Bis zur dänischen Grenze ein Katzensprung, die Nordsee vor der Tür.

Das Nordfriesland Tageblatt gehört zum Flensburger Zeitungsverlag (Kopfblatt ist das Flensburger Tageblatt), und wenn Sonja Grieve den Text für ihre Seite zusammenhat, dann geht sie zur Haltestelle des Linienbusses, begrüßt den Fahrer und legt den Umschlag mit den Berichten auf die Ablage neben den Fahrersitz. In Flensburg holt dann ein Bote das Material für die Lokalseite vom Omnibus-Bahnhof ab.