Tiefseebohrungen im Nordmeer: Seit Ende Juni arbeitet das neue Tiefseebohrschiff „Joides Resolution“ am Vöring-Plateau im Europäischen Nordmeer vor Norwegen. Das Schiff ist die Nachfolgerin der schon legendären „Glomar Challenger“, die in den sechziger und siebziger Jahren die geologische Revolution der Plattentektonik endgültig absichern half. Auf der vierten Fahrt der „Joides Resolution“ wollen 120 Wissenschaftler aus zehn amerikanischen und europäischen Ländern den sogenannten „passiven Kontinentalrand“ untersuchen; fünf deutsche Geologen sind mit an Bord, darunter als einer der drei Fahrtleiter Professor Jörn Thiede aus Kiel.

Die sieben geplanten Bohrungen sollen – in bis zu 1615 Meter Wassertiefe – bis zu 1300 Meter in den Meeresboden niedergebracht werden. Aus den Bohrkernen erhoffen sich die Forscher unter anderem Aufschluß, wie sich der „passive Rand“ des europäischen Kontinents bei der Öffnung des Nordatlantiks vor 55 bis 60 Millionen Jahren verhielt: Die Gesteinsschichten des Vöring-Plateaus sind zur Tiefsee hin geneigt. Zweiter Schwerpunkt ist die Suche nach Hinweisen, wie sich das Nordmeer während der eiszeitlichen Abkühlung verhielt: Vor rund fünf Millionen Jahren lag die Wassertemperatur durchschnittlich noch bei zehn bis 15 Grad, um dann auf nahe null Grad abzusinken.