Vor 28 Jahren, im Wahlkampf 1957, verstieg sich Konrad Adenauer zu der Behauptung: „Wenn die SPD die Regierung übernimmt, so bedeutet das den Untergang Deutschlands.“ Jetzt ist Strauß auf diesen Ausspruch zurückgenommen. Er dürfe „nicht leichtfertig verurteilt und zum Gegenstand bissiger Bemerkungen gemacht werden“.

Machen wir’s halblang. Die Verleumdungen von 1957 ziehen heute nicht mehr. Seitdem haben Sozialdemokraten zusammen mit Strauß im Kabinett der Großen Koalition gesessen, seitdem haben die sozialdemokratischen Bundeskanzler Willy Brandt und Helmut Schmidt uns dreizehn Jahre lang regiert – den Untergang Deutschlands hat uns beides nicht beschert. Heute mögen die Sozialdemokraten, sieht man auf ihre Führungsgarnitur und ihr Programm, nicht sehr eindrucksvoll dastehen, aber eines ist sicher: Kämen sie wieder ans Ruder, so wäre das kein Grund, finis Germaniae zu zetern.

Adenauers Ausspruch ist die gezielte Infamie eines kraftstrotzenden Wahlkämpfers gewesen. Straußens Wort war die gezielte Infamie eines alternden Politikers, der seit Sonthofen davon lebt, daß er Katastrophenkulissen malt, Schwarz in Schwarz. Beide Male wurde um billiger Wirkung willen der Grundkonsens der Parteien sabotiert, ohne den keine Demokratie überleben kann.

Th. S.