Vor vielen Jahrzehnten pflegte die Berliner Illustrirte selig zur Sommerpause eine Preisfrage aufzuwerfen, über die sich ihr hauptstädtisches Publikum dann zwischen Heringsdorf und Bansin an der Ostsee, wo man damals Urlaub machte, den Kopf zerbrach. Die Frage rührte nicht an Welträtsel, aber sie hatte es in sich, denn sie lautete zum Beispiel: Ist Greta Garbo dumm?

Ach ja. Gäbe es doch wenigstens noch ein solches Stimulans für die Phantasie, zum Beispiel, wenn Helmut Kohl die Bundesdeutschen in die Ferien entläßt. Doch als er in der letzten Woche zur sommerlichen Zwischenbilanz vor die Bonner Pressekonferenz trat, ließ er zwar keine Frage offen, aber auch keine Perspektive zurück – nichts, was zum Nachdenken oder gar die Vorstellung! flügelt hätte.

Ein bißchen nachträgliche Kosmetik für den nicht gerade erhebenden Mailänder Europagipfel, einige konventionelle Bemerkungen zur Deutschlandpolitik, etwas Optimismus zur Wirtschaftslage und Arbeitslosigkeit, eine Einlage zum deutsch-polnischen Verhältnis, über deren Taktgefühl man sich streiten konnte, und ein paar Sottisen zum Thema Strauß und Rohrmoser: Das war’s, so weitschweifig wie wenig.

Bleich gingen selbst erklärte Anhänger des Kanzlers aus dem Saal, waren sie nun zornig oder zag. Wenn die Veranstaltung denn einen Sinn hatte, dann den, einen Kanzler vorzuzeigen, den trotz aller Turbulenzen schier nichts mehr umwirft. Aber Preisfrage, viel erörtert nach dieser Pressekonferenz: Wirft er damit die Deutschen noch um?

Fern in der Türkei hat Helmut Kohl in dieser Woche ein Feld beackert, das die Koalition noch bestellen muß: die Ausländerpolitik. Gerade mit Hinweis auf die Kanzlerreise ist der längst fertige Gesetzentwurf des Innenministeriums über Ausländerrechte, speziell der Türken, eisern unter Verschluß in der Schublade Friedrich Zimmermanns geblieben – für den Minister eine harte Geduldsprobe, zumal der Streit über das Maß der Liberalität und Restriktion auf diesem Gebiet kaum abflaute.

Aber vorsorglich hat Außenminister Genscher auch hier schon wieder vorgebaut. In der Menschenrechtsdebatte des Bundestags unmittelbar vor der Sommerpause prägte er lauter Grundsätze: „Menschenrechtspolitik muß zu Hause anfangen ... Das muß sich auch in der Haltung gegenüber unseren ausländischen Mitbürgern in unserem Lande erweisen.“ Und Menschenrechtspolitik müsse „auf jedes selektive Konzept und auch auf jede instrumentale Absicht verzichten ...“

Was heißt, das etwa für das umstrittene Nachzugsalter der Türken? Wenn nicht alles täuscht, steht da besonders zwischen CSU und FDP ein neuer Strauß bevor.