Köln: „Japanische Malerei im westlichen Stil“

Durch Nachahmung der Meisterschaft seines Lehrers möglichst nahezukommen, galt in der Kunstausübung Japans mehr als die große individuelle Geste. Diese Methode der Aneignung fremder Kenntnisse blieb auch gewahrt, als Japan nach der Öffnung des Landes im Jahr 1868 daran ging, sich mit den naturwissenschaftlichen, wirtschaftlichen und technologischen Errungenschaften des Westens vertraut zu machen. Wie diese erste Aneignung westlicher Kenntnisse in der bildenden Kunst aussah, dokumentiert eine Ausstellung im Kölner Museum für Ostasiatische Kunst. Sie ist der erste gewagte Versuch, diese Kunst Japans dem Westen vorzustellen. Dem westlichen Betrachter mag yo-ga (nikon-ga hieß demgegenüber die traditionsbewahrende Malerei), japanische Malerei im westlichen Stil, nichts weiter als ein zweiter Aufguß europäischer Kunstentwicklung sein. Mit geringen Phasenverschiebungen und in anderer Qualitätslage findet er hier alle Ismen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts: Realismus, Impressionismis, Symbolismus, Kubismus, Surrealismus, Neue Sachlichkeit. Vor dem Hintergrund einer jahrhundertealten Tradition der Ölmalerei, einer perspektivischen und realistischen Darstellungsweise – die übrigens gerade, als japanische Künstler sich mit derartigen Gestaltungsprinzipien auseinandersetzen begannen, von europäischen Künstlern wieder verworfen wurden – ist dieser Blickwinkel nur verständlich. Für japanische Künstler des letzten Jahrhunderts hingegen bedeuteten lasierende Ölmalerei, Zentralperspektive und möglichst naturgetreue Darstellung eines Gegenstands ein revolutionäres Bekenntnis, bewirkten unjapanische Sujets wie der Akt oder auch das Selbstporträt den Bruch mit der Tradition. Wurde dieser Traditionsbruch in der Euphorie der ersten Jahrzehnte nach der Öffnung Japans noch gelassen hingenommen, die Künstler ob ihrer Fähigkeit zur Nachahmung anerkannt, so formierte sich schon gegen Ende des Jahrhunderts eine restaurative Bewegung. Erkannte man doch sehr bald, daß sich in den Prinzipien westlicher Malerei, in der Art der emotionalen Selbstenthüllung ein Element verbarg, das dem geistigen Konsens der japanischen Gesellschaft zuwiderlief: Das Phänomen des Individualismus. Vor allem jene Maler, die für einige Jahre in den Vereinigten Staaten, in Paris, Rom, Venedig oder München ausgebildet worden waren, taten sich nach ihrer Rückkehr in der Heimat schwer. Die einen, Yoruzu, Sakamoto, Yamashita etwa, lösten den inneren Widerspruch, indem sie fortan beide Stile verfolgten, andere, wie Kuniyoshi oder Foujita, blieben nach einigen vergeblichen Versuchen der Rückkehr für immer im Ausland. Die Ausstellung setzt zu Recht um 1950 eine Zäsur. Seit etwa dieser Zeit existieren beide Richtungen in einem widerspruchsfreien Nebeneinander: Und gerade diese Koexistenz von Tradition und Fortschritt ist es, die uns im modernen Japan immer wieder überrascht. (Museum für Ostasiatische Kunst, bis zum 21. 7., Katalog 24,– DM). Brigitte Lohkamp