Wer zur Kur geht, soll dafür weniger Urlaub bekommen. Das schlug letzte Woche Hans-Joachim Rohrlach vor, der Direktor der Berliner Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA). Mit einer Anrechnung von Kuren auf den tariflichen Jahresurlaub hofft er, die steigende Flut von Anträgen einzudämmen.

In diesem Jahr wollen nach Berechnungen der BfA 350 000 Angestellte zur Kur fahren, fast so viele wie in den Rekordjahren 1980 und 1981. Damals wurden 380 000 beziehungsweise 375 000 Angestellten-Kuren beantragt.

Auf dem Höhepunkt dieses Kur-Booms entschloß sich dann der Bundestag zu Sparmaßnahmen. Seit 1982 werden Vorsorgeuntersuchungen nicht mehr vom Staat unterstützt. Zwischen zwei von der Kasse finanzierten Bäderreisen muß außerdem eine Pause von mindestens drei Jahren liegen. Und der Kurgast zahlt seit 1983 pro Tag zehn Mark aus eigener Tascne.

Die Zahlen der Kuren ging denn auch drastisch zurück – 1982 wurden bei der BfA nur noch 261 000 Anträge registriert, im Jahr darauf 254 000. Die schlechte Wirtschaftslage macht bei den meisten Familien die Kur sowieso nicht mehr so attraktiv. Die Angst vor der Arbeitslosigkeit hielt viele zurück, einen Kurantrag zu stellen und damit zuzugeben, daß sie sich nicht auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit fühlten.

Für die Badeorte war das eine harte Zeit. Nach Schätzungen des Deutschen Bäderverbandes verlor damals jeder Fünfte der früher 250 000 Beschäftigten in der Kurbranche seine Stelle. Die Versicherungen sparten zwar pro Jahr 450 Millionen Mark, rechnete der Bäderverband vor, aber auf der anderen Seite kostete die Arbeitslosigkeit unter den Bademeistern und Masseuren die öffentlichen Kassen mit 900 Millionen Mark weit mehr.

Seit dem vergangenen Jahr nun wird wieder mehr gekürt. Ein Nachholbedarf hat sich angestaut, denn für viele Kurwillige ist die 1982 verfügte Dreiiahres-Sperrfrist abgelaufen. Der Schreck über die Selbstbeteiligung von zehn Mark ist offenbar der Einsicht gewichen, daß ein einmonatiger Aufenthalt im Bad mit 300 Mark immer noch recht preiswert ist – zumal das Gehalt voll weitergezahlt wird.

Die BfA zahlt den Rest des Kuraufenthaltes und der neue Zustrom zu den Heilbädern bereitet den Beamten Kopfzerbrechen. Die Kosten steigen, und die Plätze in den Bädern reichen kaum mehr aus. Denn während der Flaute hatte die BfA rund 10 000 Kurbetten in eigenen Häusern und Vertragsheimen gekündigt. Jetzt bleiben ihr noch 23 000 Betten.