Ernst Bloch hat schon manch einem die Zunge gelöst, der besser geschwiegen hätte. Schuldlos ist Bloch nun die Ursache einer unlesbaren Seite in der Samstagausgabe der Frankfurter Rundschau geworden, wo sich zwei altgewordene Knaben mit einem Briefwechsel aufspielen, der klingt, als wollten zwei deutsche Geistesgrößen von den Gipfeln ihrer Erkenntnis über die Talsohle des Durchschnitts hinweg einander zuwinken.

„Lieber Manfred“, schreibt Hans-Martin, „laß mich ohne Umschweife an unser Gespräch anknüpfen, das wir, wiederum an frühere Debatten anschließend, kürzlich in Deinem Genfer Exil hatten.“ So beginnt es, zu Ehren Blochs, und was nun folgt, ist lachhaft, weil die beiden sich aufpumpen wie Maikäfer vorm Start und von „Exil“ reden, weil halt einer das Glück hat, in Genf zu leben. Eitel versuchen sie, die Sprache ihres Lehrers Adorno zu übertrumpfen und zu überprunken: „Dein Antwortschreiben – vielen Dank dafür! – weht auf einen so maßlos überfüllten Schreibtisch, daß nur das gegebene Wort, das näherrückende Jubiläum und die Liebe zum ‚Alten‘ mich zum Unmöglichen dieser (vorderhand letzten) Reaktion auf Deine stimulierenden Fragen vermögen.“

Entschuldigen Sie bitte: Haben Sie das verstanden? Haben Sie je etwas Gespreizteres gelesen? Und das sind nicht etwa zwei wildgewordene Adorniten im zweiten Semester ihrer Begeisterung, sondern gestandene Vierziger, der eine, Lohmann, Redakteur der Zeitschrift Psyche, der andere, Frank, Philosophieprofessor in Genf. Nicht mehr lachhaft, sondern peinlich ist es, daß die beiden ein Leiden an dieser Welt vortäuschen, das von Adorno quasi ausgeborgt ist, und „mit gebrochener Stimme von dem totalgewordenen Unwahren“ faseln. Nein, das hat weder Bloch verdient noch Adorno, nicht einmal die Frankfurter Rundschau. Grn.