Die mexikanische Regierungspartei erklärte sich nach den Parlaments- und Gouverneurswahlen zur Siegerin. Im Gegensatz zu früheren Wahlen gab es eine ernstzunehmende Opposition.

In Monterrey, nahe der texanischen Grenze, berichteten Anhänger der Opposition, sie hätten vor Beginn der Wahl eine Wahlurne geöffnet. Der Fund: Stimmzettel für die Regierungspartei.

Die Herrschart der seit 56 Jahren regierenden „Institutionalistischen Revolutionspartei“ ist erschüttert. Das nach der mexikanischen Revolution entstandene populistische Regime genoß dank geschickter Machtausübung und Organisation der Massen eine für Lateinamerika einzigartige politische Stabilität. Grundlage waren ein nahezu stetiges Wirtschaftswachstum bis 1982 und unangefochtene, wenn auch oft manipulierte Wahlerfolge.

Mißwirtschaft, Korruption und der Verfall der Ölpreise (das Öl macht 70 Prozent des mexikanischen Exports aus) haben in den letzten Jahren zu einer ungewöhnlich hohen Auslandsverschuldung geführt; die Inflation galoppiert. Die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb des Existenzminimums.

Präsident Miguel de la Madrid, 1982 mit einem Sparprogramm antreten, hat sich im März diesen Jahres gegenüber dem Internationalen Währungsfond zu noch drastischeren Sparmaßnamen verpflichtet. Der Unmut breitet sich bei den von der Regierung unabhängigen Gewerkschaften und Bauernverbänden aus, aber auch bei den von der Rezession ebenso hart betroffenen städtischen Mittelschichten. Ihnen verdankt die stärkste Oppositionspartei „Partido Accion Nacional“ ihren Aufstieg. Sie verzeichnet seit 1982 ständige Stimmengewinne.

Den Präsidenten zwingt die Krise zu einer Politik des Mittelweges: Außenpolitisch muß er Rücksicht auf den Hauptgläubiger, die Vereinigten Staaten, nehmen, auch wenn Mexiko in der Contadora-Gruppe eine eigenständige Mittelamerikapolitik betreibt. Innenpolitisch versucht die Regierung den Unternehmern durch ein Exportförderungsprogramm entgegenzukommen, wie die Arbeiter und Angestellten mit bescheidenen Lohnerhöhungen zufriedenzustellen. Jörn Arfs