Die Ulster-Provinz steht wieder vor einem heißen Sommer: Militante Protestanten wollen sich nicht davon abbringen lassen, durch die Wohnviertel der katholischen Minderheit zu paradieren.

Die Symbole sind sehr wichtig und vielleicht sind sich die anderen nicht immer bewußt, wie die Symbole auf unserer Seite wirken. Ein Symbol kann ein Zeichen sein für Jahrhunderte der Dominanz und selbst heute noch für große Unterschiede in Chancen und Rechten. Darum also geht es eigentlich.“

Johlen und Pfeifen unterbrechen die sanften Ausführungen des ehemaligen Jesuitenprovinzials Patrick Doyle, der heute als Gemeindebetreuer in einer katholischen Siedlung im nordirischen Portadown arbeitet. Trotz der verächtlichen Schreie wird Erleichterung spürbar, als die rund zwanzig grau drohenden Polizeifahrzeuge, die sich zwischen der protestantischen Parade und der katholischen Siedlung aufgebaut hatten, wegfahren und die zahllosen Polizisten mit Helm, Schild und Schlagstock mitnehmen.

Das protestantische Nordirland paradiert in diesen Tagen in Erinnerung an die Schlachtensiege Wilhelms von Oranien im Jahr 1690, der die Hoffnungen auf eine katholische britische Krone auf irischem Boden für immer zerschlug. Seit diesen Siegen sind die Straßen von Ulster im Juli in Oraniens Farbe getaucht: Die Schärpenträger des Orange Order paradieren hinter Trommeln und Pauken, Pfeifen und Dudelsäcken.

Doch was in protestantischer Umgebung friedlicher Ausdruck von Brauchtum und Tradition ist, wird in katholischen Siedlungen zur provokativen Demonstration protestantischer Vorherrschaft.

Die Aggressionen der Katholiken richten sich in erster Linie gegen die vornehmlich protestantische Polizei. Der Versuch allerdings, den Zug der Orangemen durch die katholische Obins Street von Portadown zu verbieten, scheiterte: Letzten Mittwoch demonstrierten 15 000 Orangemen im guten Anzug gegen dieses Vorhaben und marschierten stumm hinter ihren Musikspielern her. Die Redner ließen keinen Zweifel daran, daß die machtgewohnten Protestanten sich auch gewaltsam Zugang zu ihrer traditionellen Route verschaffen würden. Das ostentative Muskelspiel zeigte rasche Wirkung: Die Polizei erlaubte den gewünschten Durchmarsch, verkündete allerdings, im Gegenzug bleibe dieser Weg für die große Parade am 12. Juli versperrt.

Doch Pfarrer Ian Paisley und der radikale protestantische Politiker George Seawright haben seither klargestellt, daß der Umzug nicht von der rechten Straße abweichen wird. Der Orange Order gibt sich kompromißlos und wiederholt die alte unionistische Formel No surrender – keine Kapitulation. Die Protestanten sehen Ulsters Existenz bedroht, wenn ihre Symbole angetastet werden.