Von Peter Christ

Ein bißchen Schadenfreude muß erlaubt sein. Das klägliche Scheitern der jüngsten Opec-Konferenz in Wien wird all jene mit klammheimlicher Genugtuung erfüllen, die gut ein Jahrzehnt unter der harschen Preistreiberei des Ölkertells gelitten haben. Und wer hätte nicht gelitten?

Die Opec kann die Krise, in die sie hineingeschlittert ist, nicht länger kaschieren. Ein Vierteljahrhundert nach seiner Gründung entgleitet dem einst mächtigsten Kartell der Welt die Kontrolle über das Ölgeschäft. Seit vier Jahren versuchen die dreizehn Opec-Staaten ihren Marktanteil zu verteidigen – vergeblich. Im Jahre 1974 deckte die Opec 54 Prozent des weltweiten Ölbedarfs, heute nur noch knapp ein Drittel. Wichtigster Öllieferant der Bundesrepublik ist jetzt der Opec-Konkurrent Großbritannien, dem das Kartell mit seinen unmäßigen Preisen erst den Aufstieg zum Ölproduzenten freigemacht hat.

Die Konkurrenz von außen hat den Streit im Innern der Opec entfacht. Als Krisengewinnler waren sich die Ölexporteure einigermaßen einig. Als Krisenbewältiger haben sie versagt. Weil ihre Einnahmen drastisch zurückgegangen sind – von 279 Milliarden Dollar im Jahre 1980 auf nur noch 159 Milliarden 1984 –, halten sie sich weder an mühsam ausgehandelte Listenpreise noch an Förderquoten. Der Wettbewerb, den das Kartell ausschalten wollte, ist in den eigenen Reihen entbrannt. Außer Saudi-Arabien versucht jeder Opec-Staat, mit Arglist und Heimtücke über alle Abmachungen hinweg, seine eigenen Geschäfte zu machen.

Trotzdem ist es unwahrscheinlich, daß die Opec mit lautem Knall zerplatzt. Zwar hat Saudi-Arabiens Ölminister Scheich Jamani seinen Kartellbrüdern mehrmals mit einem offenen Preiskrieg gedroht, falls sie nicht bei ihrem Ölhandel mehr Disziplin übten. Doch haben diese Drohungen ihre Wirkung stets verfehlt, weil Saudi-Arabien kein politisches Interesse daran haben kann, mit drastischen Preiseinbrüchen das Kartell und vor allem die Ölstaaten rings um den Arabischen Golf zu destabilisieren. Das Königreich würde damit seinen Führungsanspruch in der Golfregion zunichte machen und Unruheim eigenen Lande riskieren. Dies ist den anderen Ölstaaten nicht entgangen.

Aber auch wenn die Opec nicht auseinanderfällt, wird sie zunächst auseinanderdriften. Bis weit in die neunziger Jahre hinein kann sie ihre Exporte nur geringfügig steigern. Schon bald könnten die Ölpreise vom anhaltenden Überangebot an Rohöl auf zwanzig Dollar pro Barrel gedrückt werden. Aber muß deshalb gleich eine neue Ölkrise drohen – nur diesmal andersherum, wie der venezolanische Ölminister uns weismachen will?

Tatsächlich kann den Industriestaaten und allen Entwicklungsländern, die kein Öl exportieren, kaum etwas Besseres widerfahren als ein Sinken der Ölpreise. Alle Ölverbraucher, gleichgültig ob Staaten, Unternehmen oder Privatleute, würden davon profitieren. Ihre Budgets würden entlastet, sie könnten mehr Geld für andere Produkte und Dienstleistungen ausgeben und damit zum Beispiel Arbeitsplätze in der heimischen Wirtschaft schaffen.