Von Erika Martens

ZEIT: Herr Minister, Monat für Monat gibt es bei der Zahl der Arbeitslosen neue, traurige Rekorde. Im Juni waren 2,16 Millionen Menschen ohne Beschäftigung, das ist der höchste Stand in diesem Monat seit Kriegsende. Steht die Bundesregierung dieser Entwicklung machtlos gegenüber?

Blüm: Das ist eine viel zu hohe Zahl. Aber wir wollen nicht vergessen, daß die Steigerungsraten, bevor wir die Regierung übernahmen, viel höher lagen als heute. 1981 und 1982 betrug der Zuwachs an Arbeitslosen jeweils über vierzig Prozent. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 0,3 Prozent mehr. Das soll allerdings keine Entwarnung sein. Ich will nur die Entwicklung schildern.

ZEIT: Sehen Sie denn keine Möglichkeiten, die Zahl der Arbeitslosen endlich einmal herunterzudrücken?

Blüm: Wenn Sie den Eindruck erwecken wollen, als hätten wir bisher geschlafen und gleich dem Dornröschen gedacht, die ZEIT würde uns jetzt wachküssen, dann wäre dieser Eindruck falsch. Wir haben einiges getan: Ich nenne nur den Vorruhestand, die Rückkehrhilfen für Ausländer, die Verdreifachung der Mittel für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und vieles mehr.

ZEIT: Das alles hat aber offensichtlich nicht ausgereicht.

Blüm: Ich halte nichts von einer Sozialpolitik, die sozusagen mit Jahrhundertwerken arbeitet und das heute Mögliche nicht entschlossen anpackt. Ich glaube, daß wir mit vielen kleinen Schritten und viel Phantasie mehr erreichen. Eine Wendemarke haben wir bereits erreicht: In diesem Jahr wird die Gesamtzahl der Beschäftigten erstmals wieder zunehmen. Ein wenig Geduld muß man allerdings – leider – haben. Es gibt keine Wundermittel.