Zum Gesprächsversuch, nicht zur Konfrontation, die sich manche Eiferer in Ost und West wünschten, hat der Papst die Elfhundertjahrfeier der Slawenapostel Cyrill und Method genutzt.

Obschon Johannes Paul eine Reise nach Jugoslawien und in die Tschechoslowakei zu den Wirkungsstätten der beiden Heiligen verweigert wurde, konnte er dort durch seinen Kardinal-Legaten Casaroli den Gläubigen wie den Regierenden demonstrieren lassen, daß Kirchenzugehörigkeit von „niemandem als Gegensatz zum Wohl des irdischen Vaterlandes betrachtet werden darf“. So steht es in der Enzyklika „Slavorum Apostoli“, die der Papst dem Ereignis widmete.

Zur Überwindung ideologischer Konflikte und zur Unverletzlichkeit der Freiheit mahnt der Papst nur sehr delikat in Form eines Gebetes, wodurch sich diese Enzyklika geradezu ideal als Visitenkarte für Casarolis pastoraldiplomatische Reise eignete. Diese führte den Kardinal nach einem „freimütigen“ (und entsprechend erfolgsarmen) Gespräch mit Gustav Husák in Prag nach Verlehrad, zum mutmaßlichen Grab des Method, wo sich immerhin hunderttausend tschechoslowakische Gläubige in Sprechchören fragten: „Wo ist der Heilige Vater?“

Hätten sie aber den Kulturminister Klusak, der in seiner Rede die Heiligen nur als Erfinder der kyrillischen Schrift gelten lassen wollte, auch dann ausgepfiffen, wenn er sich als Gastgeber des slawischen Papstes hätte vorstellen können? Die Furcht war stärker als der Verstand. Verkrampfte Staatsatheisten wie die tschechoslowakischen, die ihres eigenen Credos so wenig sicher sind wie ihrer Bürger, lassen sich kaum zu Lockerungsübungen bewegen. Aber auch das christliche Europa, das der Papst in seiner Enzyklika beschwört, liegt weit hinter dem Horizont realistischer Erwartung. Es war sogar im frühen Mittelalter so christlich nicht: Cyrill und Method bekamen das von christlichen Kerkermeistern zu spüren. Auch heute könnte dieses „ganze Europa“, das der Papst anspricht, bestenfalls friedlich koexistieren – politisch wie konfessionell.

Dies mag Casaroli gemeint haben, als er in Velehrad die Hoffnung auf eine „künftige höhere Einheit“ Europas setzte – auch in vielfältigen und kaum überwindbaren Differenzen, die sein Gesicht und seinen Geist durchfurchen.

Hansjakob Stehle (Rom)