Im Juni hat sich der Anstieg der Verbraucherpreise in der Bundesrepublik verlangsamt. Die Preise für die Lebenshaltung aller privaten Haushalte stiegen um 2,3 Prozent nach jeweils 2,5 Prozent im April und Mai. Für Nahrungsmittel mußten die Verbraucher sogar weniger bezahlten als im Juni 1984. Urlauber freilich mußten in diesem Jahr tiefer in die Tasche langen. Urlaubs- und Gesellschaftsreisen waren um durchschnittlich 5,3 Prozent teurer als vor einem Jahr. Auch die Mieten lagen mit plus 3,3 Prozent über dem Durchschnitt. Die Benzinpreise kletterten sogar um 6,1 Prozent.

Bauherren können sich freuen. Baugeld ist derzeit so billig wie seit sechs Jahren nicht mehr. Bundesdeutsche Hypothekenbanken haben jetzt ihre Konditionen gesenkt. So werden bei hundertprozentiger Auszahlung bei zehnjähriger Zinsbindung jetzt 7,8 Prozent und bei fünfjähriger Zinsbindung 7,5 Prozent verlangt. Bisher hatten die Sätze bei acht beziehungsweise 7,8 Prozent gelegen. Bisneriger Höhepunkt der Hypothekenkonditionen war der August 1981, als bei zehnjähriger Bindung und hundertprozentiger Auszahlung 11,75 Prozent verlangt wurden.

Pessimistisch über die Arbeitsmarktentwicklung in der Bundesrepublik äußert sich das Kieler Institut für Weltwirtschaft. Auch das stärkere Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr werde die Arbeitslosigkeit nicht verringern. Die Zahl der Arbeitslosen werde 1986 wohl bei 2,3 Millionen stagnieren. Die Arbeitsmarktprobleme seien unter anderem auf den weiterhin hohen Lohnkostendruck zurückzuführen. Die Bereitschaft, Arbeitsmarktprobleme durch mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt und größere Differenzierung der Löhne zu. mildern, sei bei beiden Tarifparteien gering, kritisiert das Institut.

Mit einer weiter steigenden Zahl von Dauerarbeitslosen, also den Arbeitslosen, die länger als ein Jahr arbeitslos sind, rechnet die Bundesregierung. Der vom Bundeskabinett verabschiedete Haushaltsentwurf 1986 geht von 670 000 Empfängern von Arbeitslosenhilfe aus. Das sind 100 000 mehr als die für dieses Jahr angenommene Zahl von 576 000.

Die Aufwärtsbewegung in der Weltwirtschaft hat erheblich an Schwung verloren. Vor allem in den USA seien die expansiven Kräfte in den ersten Monaten dieses Jahres verhalten gewesen, ermittelte das HWWA-Institut für Weltwirtschaft in Hamburg. Aber auch in Japan und Westeuropa habe sich der Anstieg von Nachfrage und Produktion eher verlangsamt. Das Hamburger Institut erwartet, daß Produktion und Welthandel in diesem Jahr real nur noch um fünf Prozent – nach neun Prozent 1984 – und 1986 um 4,5 Prozent zunehmen.