Kontinuität

Hans-Dietrich Genscher, nach der Ablösung Andrej Gromykos von voreiligen Kommentatoren zum dienstältesten Außenminister, der Welt erklärt, wird wohl noch eine ganze Weile im Auswärtigen Amt ausharren müssen, wenn er diesen Titel zu Recht erwerben will. Mit seinen elf Dienstjahren seit dem Mai 1974 ist Genscher zwar der Doyen unter den Außenministern der westlichen Demokratien; aber schon in einem Nachbarland der Bundesrepublik amtiert ein dienstälterer. Der Tschechoslowake Bohuslav Chnoupek ist seit November 1971 Außenminister eines Landes, dessen Führungsriege sich seit der Niederschlagung des Prager Frühlings auch für Ostblockverhältnisse ungewöhnlicher Stabilität erfreut. Viel länger aber als alle Europäer, nämlich schon 22 Jahre, lenkt der jetzige Spitzenreiter die Außenpolitik seines kleinen, schwerreichen Landes: Scheich Sabah al-Ahmad ad-Dschabar as-Sabah in Kuwait. Seit 1756 herrscht seine Familie am Nordwestzipfel des Persischen Golfes, und der diensterfahrene Minister hat zum Chef keinen Koalitionsfreund wie Genscher, keinen Genossen Generalsekretär wie Chnoupek, sondern den leiblichen Bruder, Scheich Dschabar. Das Emirat ist trotz zaghafter Anläufe zur Parlamentarisierung ein Familienbetrieb, und das garantiert die personelle Kontinuität in der Außenpolitik – bislang jedenfalls.

Solidarität

Der Bürgermeister von San Salvador, der Christdemokrat Mondes Ehrlich, appelliert an die Bürgermeister aller Hauptstädte der Welt, sich für verschleppte Bürgermeister im Bürgerkriegsland El Salvador einzusetzen. Die Guerilla, so teilt der Parteifreund Präsident Duartes mit, hat 22 Bürgermeister verschleppt und zwei von ihnen getötet – offenbar, um den Aufbau einer lokalen Infrastruktur staatlicher Verwaltung zu verhindern. Andere Berichte aus dem geplagten mittelamerikanischen Land berichten von verschleppten Lehrern, Bauern, Kindern – die Täter sind keineswegs immer die Aufständischen. Aber vielleicht macht die Idee des Bürgermeisters Schule: Die Lehrer protestieren weltweit zugunsten der entführten Lehrer, die Kinder für die Kinder, und die Bürgermeister eben für die Bürgermeister. Dafür haben ihre Mitbürger sie ja auch gewählt.

Gefährliche Unterschiede

Amerikanische Marines, die rund um den Globus die Botschaften der Vereinigten Staaten bewachen, sollen ihr Haar wachsen lassen. Ihre Vorgesetzten meinen, daß der unverkennbare Kahlkopfschnitt ihren vier Kameraden zum Verhängnis wurde, die im Juni in San Salvador von Guerillas auf offener Straße erschossen wurden. Warum auch den antiamerikanischen Terroristen leicht erkennbare Ziele liefern? Darum sollen amerikanische Soldaten und Diplomaten jetzt auch auf ihre roten oder schwarzen Pässe verzichten, die sie so deutlich von normalen amerikanischen Paßinhabern unterscheiden – deren Pässe sind blau eingebunden. Dem armen Soldaten Robert Stethem, den die Entführer der TWA-Maschine brutal ermordeten, hätte die neue Tarnung freilich nicht geholfen. Stethem reiste nicht etwa mit einem Soldatenpaß, sondern ganz ohne Paß: Die Grenzen europäischer Nato-Staaten dürfen amerikanische Soldaten mit ihrem Militärausweis als einzigem Reisedokument passieren.