Robert Mugabe und seine Partei haben die Parlamentswahlen in Zimbabwe wie erwartet hoch gewonnen. Die Polarisierung zwischen Anhängern und Gegnern des Premiers wird durch das Wahlergebnis noch verschärft.

Demokratische Wahlen nach westlichem Muster sind ungewöhnlich auf dem afrikanischen Kontinent; noch ungewöhnlicher am Fall Zimbabwe ist die Tatsache, daß die Wahlen nach übereinstimmender Meinung von Siegern und Besiegten ein fairer Wettstreit waren. Gewiß: Die Jugendorganisation der Regierungspartei ZANU (PF) schikanierte Oppositionsanhinger in einer Weise, die mit dem "Westminster-Modell", wie englisch erzogene Afrikaner das parlamentarische System nennen, wenig zu tun hatte. Und der Premier macht seit Jahren keinen Hehl aus seinem Wunsch, das völkerrechtlich bis 1990 festgeschriebene System umzuwandeln und seine ZANU (PF) zur Staats- und Einheitspartei nach volksdemokratischem Muster zu erklären. Doch scheiterten die Kandidaten des Regierungschefs gerade dort, wo zuvor ZANU-Jugendgruppen die Opposition schikaniert bitten. Vom reibungslosen Marsch in den Einparteienstaat scheint Zimbabwe noch weit entfernt.

Mugabes Partei gewann 63 der 80 Parlamentssitze der schwarzen Mehrheit (20 sind der kleinen weißen Minderheit reserviert), sechs mehr als 1980 unmittelbar vor der Unabhängigkeit. Die ZAPU Joshua Nkomos, einzige Oppositionspartei von Belang, gewann 15 Sitze, fünf weniger als vor fünf Jahren, ein Mandat fiel an eine Splittergruppe, in einem Wahlkreis wurde die Wahl verschoben – also ein Triumph der Regierungspartei? Nein: Zimbabwe ist gespalten. Den Kampf zwischen ZANU (PF) und ZAPU gewann die Regierungspartei überall, wo die Volksgruppe der Schona die Mehrheit stellt. Nkomos Leute dagegen gewannen mit haushoher Mehrheit alle 15 Wahlkreise im Gebiet der Ndebele.

Westliche Arroganz sei es, politische Konflikte im schwarzen Afrika immer nur mit ethnischen Gegensätzen zu erklären – dieses Argument ist von afrikanischen Intellektuellen immer wieder zu hören. ZANU (PF) gegen ZAPU – das war zuerst der Gegensatz von militanter Unabhängigkeitsbewegung und vorsichtigem Lavieren, von sozialistischer Programmatik und Aufgeschlossenheit gegenüber ausländischen Investoren, dann der Konflikt zweier Männer, die von Kampfgenossen zu Feinden wurden: Robert Mugabe und Joshua Nkomo. Daraus ist die Polarisierung der ethnischen Gruppen geworden. Die Schona stehen mit überwältigender Mehrheit hinter Mugabe. Die Ndebele halten zu ihrem Führer Nkomo – trotz oder gerade wegen der Kampagne der Regierung gegen Nkomos Leute.

Einheitsparteien in Afrika sind im besten Falle Organisationen, mit Menschen aus den vielen verschiedenen kleinen Volksgruppen, die durch die einst von Kolonialmächten willkürlich gezogenen Grenzen in einem Staatsgebiet vereint sind. Der Fall Zimbabwe liegt anders: Hier gibt es ein Mehrheitsvolk, die Schona, das vor der Wahl steht, sich auf der Minderheit der Ndebele zu arrangieren oder sie zu unterdrücken.

Mugabe wie Nkomo haben in den letzten Jahren alles getan, um die Konfrontation zwischen den ethnischen Gruppen anzuheizen: Der Premier aus Rücksicht auf den Schona-Nationalismus wie aus Angst vor einem Zweckbündnis der Ndebele mit der benachbarten Südafrikanischen Republik; Nkomo aus persönlicher Eitelkeit, aber auch unter dem Druck von bewaffneten Anti-Mugabe-Rebellen.

Zimbabwe, das wirtschaftlich die große afrikanische Dürre besser als die Nachbarstaaten übersteht, droht jetzt ein innenpolitischer Konflikt. Als Quittung für das Wahlergebnis überfielen Mugabe-Anhänger nach der Wahl Parteigänger Nkomos. In Vororten der Hauptstadt fand ein Anti-ZAPU-Pogrom statt, bei dem drei Menschen starben. Bis 1990 aber, so will es das Abkommen mit der alten britischen Kolonialmacht, bleibt es in Harare beim "Westminster"-System und Mugabe muß mit einem Parlament fertigwerden, in dem je 15 Parteigänger Joshua Nkomos und des unnachgiebigen weißen Siedlerführers Ian Smith Opposition treiben. Und an dem für die internationale Reputation des Landes so nützlichen Verfassungssystem wird Mugabe aller radikalen Rhetorik zum Trotz wahrscheinlich festhalten.

Hans Jakob Ginsburg