Schondorf

Äthiopien? Davon kann ich fast nichts mehr hören", meint der 17jährige Steffen. "Wir wollen helfen", hatten sich Steffen und vier weitere Mitglieder der Schülermitverwaltung des Landerziehungsheims Schondorf zu Beginn des Schuljahres vorgenommen. Mit einer Sammlung für Äthiopien wollten sie ihre Mitschüler zum Engagement für die Hungernden motivieren.

"Generalstabsmäßig" bereiteten sie eine Decken- und Altkleidersammlung vor.

In langen Sitzungen, "jeden Tag zwei bis drei Stunden", stellten sie Spendenlisten zusammen, texteten Flugblätter und entwarfen Plakate, die sie in der schuleigenen Siebdruckwerkstatt fertigstellten.

Die Aktion fand nicht nur Zustimmung: "Viele Mitschüler fragten, ob man überhaupt sinnvoll helfen kann." Nach heißen Diskussionen waren auch die Zweifler bereit, bei der Sammlung mitzumachen. 180 Internatsschüler schwärmten Ende März aus in die Dörfer und Kleinstädte des Landkreises Landsberg am Lech. Sie klopften an die Türen skeptischer Landbewohner und überzeugten sie von der guten Sache. Mit schweren, blauen Stoffsäcken, gefüllt mit ausrangierten Textilien, kehrten sie in die Schule zurück.

"Rund 50 Kubikmeter haben wir zusammenbekommen", beschreibt Steffens Schulkameradin Nicola mit traurig gewordenem Stolz den Lohn der Mühe. Denn als sich die gesammelten Textilien in zwei Räumen der Schule bis zur Decke stapelten, wurden die Schüler sie plötzlich nicht mehr los.

Vor Start der Aktion hatten sie sich bei der Welthungerhilfe in Bonn erkundigt, was in Äthiopien am dringendsten gebraucht würde und hatten erfahren, daß vor allem Decken und Kleider fehlten. Jetzt, nach Abschluß der Aktion, wird dort vehement abgestritten, daß man den Schülern zur Textiliensammlung geraten habe, "weil wir schon seit Jahren nur noch Geldsammlungen machen".