Eine neue, zweite Lufthansa-Verbindung nach Syrien entwickelt sich gut. Schwierigkeiten bereitet der Fluglinie allerdings das starre Tarifgefüge, obwohl der Partner „Syrian Arab Airlines“ zu den Billigfliegern gehört. Neue Flugpreise werden in diesen Tagen verhandelt.

Momentan sind die Maschinen mit dem Kranich am Leitwerk meist rappelvoll, wenn sie in Aleppo oder Damaskus abheben, selbst im Airbus bleiben relativ wenige Plätze leer. Und das, obwohl die Regierung in Damaskus ihren Landsleuten gerade die Ausreisesteuer verdoppelt hat, auf 350 Mark. Aber selbst das schreckt die wohlhabenden Syrer nicht ab. „Wer weiß, wie lange wir hier noch rauskommen“, erzählte ein Techniker. In der Tat, die syrische Regierung sieht den Devisenabfluß gar nicht gern, das bestätigte auch Tourismusminister Noaras Al-Daker.

Und weil die Syrer den Lufthansa-Service dem ihrer (aus dem Militär hervorgegangenen) Staatslinie vorziehen, rollt das syrische Pfund bei der LH – allerdings landet es in der Regel erst mit monatelanger Verzögerung in der Kölner Kasse, denn bei der Devisenknappheit heißt es für die syrische Staatsbank, langfristig zu wirtschaften ...

Solcherart hat sich der Geschäftsreiseverkehr zwischen Deutschland und Syrien recht gut angelassen. Dürftiger sieht es allerdings mit dem Tourismusgeschäft aus. Hier sind die offiziellen Tarife viel zu hoch. Die Folge: Die wenigen Touristen, die überhaupt in diese Region kommen, reisen an mit der „Alia“, Jordaniens Fluglinie. Flüge zwischen Deutschland und Jordanien sind bis zu vierzig Prozent billiger als nach Syrien, obwohl die Entfernung nahezu gleich ist. Deshalb benutzen selbst Syrien-Touristen die Flüge nach Amman und fahren mit dem Bus nach Syrien.

Das hat auch der Touristikminister („Fremdenverkehr ist jetzt unsere erste Priorität“) erkannt. In diesen Tagen treffen sich Vertreter seines Ministeriums und der Lufthansa, um erstmals Punkt-zu-Punkt-Tarife auszuhandeln. Mit den daraus entwickelten „Holiday-Fares“ können die Damaskusflieger nicht nur den Jordaniern Paroli bieten. Dann kann auch Syrian Arab Airlines, auf anderen Routen als notorischer Billigflieger bekannt, auf dieser Strecke offiziell preiswerte Tickets anbieten. „Diese Konkurrenz fürchten wir nicht“, meinte selbstbewußt ein Lufthanseat. K. V.