Zwei Explosionen im neuseeländischen Hafen von Auckland versenkten das Flaggschiff der Umweltschutz-Organisation Greenpeace und töteten einen portugiesischen Photographen.

Der ehemalige Trawler war am 1. März zu einer Protestaktion gegen geplante französische Kernwaffenversuche im Pazifischen Ozean gestartet. Anlaß war der Jahrestag des amerikanischen Atomtests "Bravo" im Gebiet der Marshall-Inseln: Nach einer nuklearen Explosion mit der tausendfachen Sprengkraft der Hiroshima-Bombe hatte sich 1954 eine Wolke von radioaktivem Staub über das Rongelap-Atoll gelegt.

Greenpeace hatte im Mai die 260 Rongelap-Insulaner, die zum Teil unter den typischen Folgen radioaktiver Strahlung leiden, auf die Insel Majeto umgesiedelt. Nach einem Zwischenaufenthalt in Auckland wollten die Umweltschützer zum Mururoa-Atoll aufbrechen, das Frankreich seit 1966 als Kernwaffen-Testgelände nutzt.

Die Greenpeace-Proteste kommen zu einer Zeit, da unter den Pazifik-Anrainern eine von den USA und Frankreich gefürchtete "nukleare Allergie" grassiert. Papua-Neuguinea, Vanuatu und Neuseeland haben bereits atomgetriebene und mit Kernwaffen bestückte Schiffe und Flugzeuge aus ihren Hoheitsgebieten verbannt. Australien hat die Zusammenarbeit mit den USA zu Testflügen von MX-Langstreckenraketen eingestellt und gegen Frankreich ein Uran-Embargo verhängt.

Trotz des Bombenanschlags in Auckland wird der Neuseeländer Chris Robinson in den nächsten Wochen eine Flotte von Greenpeace-Segelschiffen zum Mururoa-Atoll entsenden. Mit dabei soll der legendäre Zweimaster "Vega" sein, den der Greenpeace-Veteran David McTaggert Anfang der siebziger Jahre mehrfach direkt in das französische Testgebiet dirigierte. Diese Kampagne entfachte eine weltweite Entrüstung, die unter anderem dazu führte, daß Frankreich wenig später seine oberirdischen Versuche einstellte. Reiner Klingholz