Zum erstenmal hatte das Aktuelle Sportstudio allerhöchsten Besuch aus Bonn

Und nun das Wichtigste vom Sport des Wochenendes: Boris B. (Leimen) hat wieder zugeschlagen. Sechs Tage nach seinem Triumph auf dem Rasen von Wimbledon spielte er auch auf dem glatten Terrain des "Aktuellen Sportstudios" ein großes Match. Diesmal kämpfte er freilich nicht allein – tatkräftig zur Seite stand ihm in einer denkwürdigen Doppel-Konkurrenz von sporthistorischer Dimension der ehemalige begeisterte Leichtathlet Richard von W. (Bonn).

Kompliment: Das Bonn/Leimener Doppel harmonierte auf Anhieb. Mochte sich auf der anderen Seite des Netzes ZDF-Champion Harry V., bekannt als Meister des wortreichen Ballwechsels, noch so bravourös doppelt schlagen – Boris B. und Richard von W. gaben alle Bälle wohlplaciert zurück.

Es entwickelte sich ein überaus gelungenes Frage-und-Antwort-Spiel, dessen Höhepunkte festgehalten zu werden verdienen. Bemerkenswert zu Beginn des ersten Satzes der knallharte Aufschlag von Harry V. auf Boris B. Der Studio-Champion wollte es wissen: "Wie lebt es sich denn so als Wimbledonsieger?" Boris B. schien den Ball erahnt zu haben, nahm ihn sehr früh und retournierte tödlich: "Ich habe noch immer zwei Augen, zwei Ohren."

Direkt aufs Seelenleben zielte Harry V. mit der Frage: "Was ging denn vor in Ihnen, als Sie auf dem Rasen von Wimbledon plötzlich eine Krise spürten?" Es hätte ein As werden können. Doch wieder attackierte Boris B. den Ball sehr früh, und es wurde ein klassischer Return: "Das Geheimnis ist, daß gar nix vorgeht."

Im zweiten Satz änderte der routinierte Harry V. die Taktik. Und mit dem Einspielen diverser Musikstückchen nach der Melodie "Bum-Bum-Boris" gelang es ihm tatsächlich, sein Gegenüber in Verlegenheit zu bringen. Doch nur vorübergehend. Richard von W., bis dahin im Schatten von Boris B., rettete die Situation zu Beginn des zweiten Satzes mit einem für seine Verhältnisse gewagten, aber effektvollen überrissenen Lob: "Im Singen bin ich besser als im Tennis", gab er im richtigen Augenblick zu verstehen. Er löste damit bei Harry V. einige Verblüffung aus. Der freilich, das muß fairerweise gesagt sein, schien die Spielstärke der Bonn/Leimener Kombination jederzeit neidlos und durchaus mit gewissem Vergnügen anzuerkennen.

Richard von W. übernahm schließlich mehr und mehr die Initiative. Seine Stärken kamen vor allem bei längeren Ballwechseln zur Geltung. Allen Versuchen des ZDF-Meisters, ihn möglicherweise bei einer Schwäche zu erwischen, begegnete er mit sicherem Spiel von der Grundlinie aus. Als Harry V. dann Druck machte mit der Frage, ob es nicht leicht mißverstanden werden könne, wenn der oberste Repräsentant eines Landes einem Sportler zu seinem Sieg ein Glückwunschtelegramm schicke, griff Richard von W. auf seine langjährige Erfahrung als Freund des Sports zurück: Schließlich sei er schon 1937 als 17jähriger Zuschauer in Wimbledon gewesen, als dort Gottfried von C. im Finale stand. Nein, wenn ein junger Sportler eine hervorragende Leistung bringe und dabei eine gute Haltung zeige, dann bringe das auch seinem Heimatland Ansehen.