Die Abberufung zweier sowjetischer Generale aus der DDR sorgte im Westen für Aufsehen. Viel Lärm um nichts?

Armeegeneral Michail Saizew, Oberkommandierender der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) und Generaloberst Alexej Lisitschew, Chef der politischen Verwaltung der GSSD, wurden von SED-Generalsekretär Erich Honecker mit allen Ehren verabschiedet.

Obwohl über die „neue verantwortungsvolle Tätigkeit“ der Generäle bislang ebensowenig bekannt ist wie über deren Nachfolger in der DDR, besteht wenig Anlaß, über eine plötzliche Ablösung zu spekulieren, oder gar über einen Zusammenhang mit einer „Machtbereinigung“ durch den sowjetischen Generalsekretär Gorbatschow zu mutmaßen. Saizew war viereinhalb Jahre in der DDR tätig. Das ist eine durchaus hinreichende Zeit, um einen Postenwechsel als normal erscheinen zu lassen. Daß gleichzeitig auch Lisitschew die DDR verläßt, könnte nach Meinung westlicher Fachleute bedeuten, daß Saizew seinen wichtigsten Vertrauten und Politoffizier auf seinen neuen Posten mitnehmen möchte.

Es gibt keine Indizien dafür, daß die Abberufung der beiden Sowjetgeneräle auf Betreiben der DDR-Führung erfolgte wie seinerzeit bei der Ablösung des sowjetischen Botschafters Abrassimow, der ein chronisch schlechtes Verhältnis zu Honecker hatte.

Differenzen hatte es freilich im vergangenen Frühjahr über den Status der Sowjetstreitkräfte gegeben. Westlichen Beobachtern war aufgefallen, daß die DDR-Presse wiederholt von den „Sowjetischen Streitkräften in der DDR“ sprach, während die offizielle Bezeichnung „Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland“ lautet.

Die Sowjetunion hält unvermindert an der Verantworung der vier Siegermächte für ganz Deutschland fest, und leitet ihr Recht, in Deutschland Truppen zu stationieren, aus ihrem Sieg über das Deutsche Reich ab.

General Saizew benutzte Mitte April bei einer Kundgebung auf den Seelower Höhen, auf denen vor vierzig Jahren die Entscheidungsschlacht um Berlin begonnen hatte, wiederholt die korrekte Bezeichnung der von ihm befehligten Truppen und ließ keinen Zweifel darin, daß die Sowjetunion von Begriffsspielereien nichts hält. Seitdem hält sich auch die DDR-Presse wieder an die Regeln.